Dom zu NaumburgDer Peter und Paul Dom in Naumburg gehört zu den Kulturdenkmälern ersten Ranges.
Am Außenbau sind die spätromanischen Teile leicht erkennbar. Nur sie werden durch Lisenen gegliedert und von einem Rundbogenfries unter dem Dachgesims umzogen. Die spätromanischen Räume des Doms besitzen verhältnismäßig kleine, rundbogige Fenster, so dass die Wand, eine starke Mauer, den Gesamteindruck bestimmt. Die beiden gotischen Chöre scheinen dagegen dünnere Mauern zu haben. Ihre Fenster erreichen ein Vielfaches der Größe der romanischen, sind spitzbogig geschlossen und haben Maßwerk. Schlanke Strebepfeiler fangen den Schub der Gewölbe ab. Sie enden in kräftigen Fialen, unter denen Wasserspeicher liegen. Statt der Wand dominieren bei den Chören die Fenster.
 
Charakteristisch frühgotisch sind die Wasserspeier des Westchores, Mönch und Nonne und verschiedene Tiere, alle wirklichkeitsnah wie die Laubfriese unter den Gesimsen. Als besonders frühe Form erwiesen sich die Maßwerkfüllungen der Fenster, die noch aussehen, als seien sie aus einer Steinplatte herausgeschnitten. Die Attika, die Steinbrüstung zwischen den ungewöhnlich schweren Fialentürmchen, ist eine Erfindung der Neuzeit. Der spätromanische quadratische Teil beider Türme entstammt sichtlich einer anderen Vorstellungswelt. Hier fühlt man sich gleichsam mit wehrhaften Mauern konfrontiert.
 
Der Dombau begann unter Bischof Engelhard 1210, und zunächst entstanden die Ostteile. Wohl im Zusammenhang mit diesen Bauarbeiten kam der so genannte Naumburger Meister hierher. Mit seinem Namen werden vor allem die Bildwerke im Chorinneren verbunden. Möglicherweise war er überhaupt der Schöpfer des frühgotischen Baues. Auf den Strebpfeilern seiner klassisch gotischen Architektur befinden sich die überlebensgroßen Figuren der Patrone des Doms. Um 1500 erhielten die romanischen Osttürme das gotische Obergeschoss und 1711-13 die barocken Hauben. Die Stifterfiguren im Westchor und die Bildfenster am Westlettner zählen zu den bedeutendsten Werken mittelalterlicher Kunst. Im Westchor stehen auf dem Laufgang die 12 Stifterbildnisse, z.B.: Hermann und Reglindis und Ekkehard und Uta.
 
Der Kreuzgang aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhundert wurde restauriert und der Hof auf das mittelalterliche Niveau aufgefüllt. Vor dem Betreten der Vorhalle lohnt sich ein Gang durch den ruhigen Bezirk der Südklausur. Der Weg führt durch drei Kreuzgangtrakte, die freilich in vielen Teilen und zu verschiedenen Zeiten erneuert wurden, nachdem sie im Brand 1532 schweren Schaden erlitten hatten. Der Ost-und der Nordflügel entstanden im zweiten Viertel des 13.Jahrhunderts. Der West- und der Südflügel sind spätgotisch.In der Vorhalle tragen zwei Engel die Manorla mit dem Gottessohn gen Himmel.
 
Den sechsjochigen, spätromanischen Vorraum der Krypta scheidet eine Wand mit Tür von dem um Mauerstärke schmaleren hochromanischen Teil der Gesamtanlage. Nur das Südfenster empfängt noch Licht, und zwar durch ein verhältnismäßig großes Fenster im Unterbau des hochgotischen Ostchor-Polygons. Der Raum liegt also immer im Halbdunkel. Auch die spätromanischen Kapitelle der Mittelkrypta gehören zum Besten aus dieser Zeit in weitem Umkreis. Der nahende Übergang zur Frühgotik kündet sich in dem Bestreben an, die als Ornament erstarrte stilisierte Pflanze mit einem Hauch Leben zu erfüllen. Aus dem Jahr 1985 stammen die von Heinrich Apel geschaffenen bronzenen Leuchter mit weiblichem Engel und Prophet. Auf dem Altar befindet sich ein romanisches Kruzifix. Es wurde gegen 1160/70 geschnitzt und zeigt Jesus als Sieger über den Tod.
 
Der Ostlettner ist der älteste voll ausgebildet erhaltene Hallenlettner auf deutschem Boden. Im Ostchor steht der Diakon, eine lebensgroße Steinskulptur . Die Wirklichkeitsnähe ist erstaunlich.
Der Westlettner und der Westchor wurden in aller Welt bekannt als Hauptwerke des so genannten Naumburger Meisters, der sowohl Bildwerke als auch die Architektur schuf. Am Westlettner registriert man auf den ersten Blick eine reich und kunstvoll gegliederte Wand. Der Lettner besaß eine zweifache Funktion, die übliche der Abschrankung des Chores und die einer Eingangsfassade für die Stiftskirche der Ekkehardinger. Im Westchor feierten die Stiftsherren ihren Gottesdienst. Der Westlettner zeigt deshalb alle wichtigen Elemente einer Eingangsfassade, das Portal begleitet von einer Pseudovorhalle zu beiden Seiten. Das Passionsrelief ist der Höhepunkt der Betrachtung dieses Lettners.
 
Wie die Westchorfenster bergen auch die des Ostchores wertvolle Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die Verglasung des Nordwest-,Nord- und Südfensters stammt in großen Teilen noch aus der Bauzeit, wurde also vermutlich um 1250/ 60 geschaffen. Das Nord- und Südfenster zeigen heilige Männer und Frauen, die drei mittleren jeweils vier Apostel, die auf ihren Widersachern stehen, und vier Tugenden auf den entsprechenden Lastern.
 
Kunstwerke von Heinrich ApelDer Künstler hat sich im Dom an mehreren Stellen eingebracht. Der nördliche Handlauf zum Ostchor wurde 1983 von dem Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel geschaffen, einer Darstellung des Bemühens der mittelalterlichen Stände in das himmlische Paradies zu gelangen.
Der zweite Handlauf entstand 1972 .Zu sehen ist die Prozession der Tiere zum predigenden Franziskus.
Die Tür zur Domschatzkammer und der Handlauf in die Schatzkammer wurden ebenso von ihm gestaltet. In der Krypta befinden sich zwei Wandleuchter, die er entworfen hat. Weitere Informationen zum Künstler hier.
Heinrich Apel
 
Die Glasfenster in der ElisabethkapelleDie Elisabethkapelle wurde 2007 übergeben. Die geheimnisvolle Skulptur der Landgräfin ist kurz nach der Heiligsprechung Elisabeths entstanden. Sie ist damit die älteste erhaltene Figur der Heiligen aus Stein. Drei Fenster der Kapelle sind mit Glasfenstern von Neo Rauch gestaltet. Die Entwürfe wurden von der Naumburger Glasmalermeisterin Martina Gärlich in rubinrotem, mundgeblasenem Echt-Antik-Glas( Weißglas mit rotem Überfang) umgesetzt. Die drei Motive sind, Elisabeth pflegt Kranke, Übergabe von Kleidern an Bedürftige und Elisbeths Abschied von ihrem Mann vor dem Aufbruch zum Kreuzzug. Die Glasstücke wurden mit Hilfe von Schablonenvorgaben zugeschnitten, um später mit Blei zusammengesetzt zu werden.
 
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