Kunst und Schlösser in der Ile-de-France.





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Kunst und Schlösser

Kunst und Schlösser auf der Reise durch die Ile de France.


Schlössertour Montag 20. Oktober 2008

Wir fahren nach Versailles, nicht ohne während der Fahrt dorthin die nicht unwesentliche Information erhalten zu haben, dass Berlin flächenmäßig größer ist und mehr Grünflächen als Paris hat. - ? - Kein Zweifel, wir konnten uns überzeugen: Paris ist eine schöne Stadt, dort wo sie repräsentiert, in den Vorortstraßen sieht es aus wie überall. Dann schreiten wir durch die Gärten von Versailles. Das Schloss hat geschlossen, weil es Herbst oder weil es Montag ist. Unsere Gesellschaft verliert sich auf den riesigen Flächen vor dem Schloss und unsere Führerin, dieselbe wie in Paris, bombardiert uns mit Zahlen: 75 % aller Arbeiter bei 20 Jahre dauernder Bauzeit gestorben, 36000 Arbeiter, 6000 Pferde 10 000 Höflinge... Ich geb` auf, als sie Ludwig XIV, Ludwig XV. und Ludwig XVI. zwischen ihre Informationen so hinwirft, dass Geschichtsunkundige ins Schleudern geraten. So verringert sich der Zuhörerkreis immer mehr. Einige gehen auf Motivjagd, andere genießen die Stille des schönen Herbsttages.

Ich weiß, dass mit dieser Anlage mit all ihren Gärten, Brunnen, Plastiken und Bauten nur eine Absicht verwirklicht werden sollte – der Anspruch auf absolute Herrschaft, aber das interessiert mich im Moment wenig. Versailles hat hundertmal als Filmkulisse gedient, das „Programm“ dieser Anlage ist erforscht und dokumentiert worden, es ist ein großartiges Gesamtkunstwerk, aber es lässt mich merkwürdig kühl. Diese breiten Alleen und Plätze machen, dass man sich verloren vorkommt. Sie sind nicht da zum Erleben, sondern zum Bestaunen – und das soll wohl auch so sein.

Andenken
Ausruhen
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Warten
Lauschen
Säubern
Während des Laufens klären wir unter uns die Verwandtschaftsverhältnisse der drei Ludwige. Also Nr. XV ist der Urenkel von Nr. XIV und Nr. XVI ist der Enkel von Ludwig XV. Ist doch ganz einfach. Bei den Lebensverhältnissen waren auch die Reichen und Schönen nicht vor Krankheit und Siechtum geschützt. Das lag auch u. a. darin, dass man weder etwas von gesunder Ernährung noch von Hygiene viel hielt, dass bei solchen Führungen das ungenügend geklärte Toilettenproblem in Versailles zur Sprache kommt, ist selbstverständlich. Auch einige Alltagsgewohnheiten Ludwig XIV. werden erwähnt.

Er hat nicht nur unmäßig geherrscht, sondern auch gegessen. 15 Eier zum Frühstück unter anderem haben dazu beigetragen, dass bei seiner Autopsie ein doppelt so großer Magen festgestellt wurde, aber daran ist er wohl nicht gestorben. 340 Perücken soll er besessen haben, deren Farbe den augenblicklichen Gemütszustand signalisierte. Eine rote bedeutete Zorn, er soll sie nur dreimal getragen haben, bei der Geburt und dem Tod seines Sohnes und einmal, als er in einer Pfütze gelandet war. Nun ja, Anekdotenhaftes prägt sich besser ein als eine Schlacht – da war er sowieso nicht so erfolgreich.
Wir laufen zu unserem Bus zurück, als mein Blick auf ein Plakat fällt, das an einem Pfosten des berühmten Eingangtores hängt. Es wirbt für ein Barockfest mit der Musik von Giovanni Battista Lully, der es vom Küchenjungen zum Hofkomponisten des Königs Ludwig XIV. gebracht hatte. Merke: den Film „Der König tanzt“ noch mal ansehen.

Ludwig XIV.
Im Reich des Sonnenkönigs
Fotokünstler
Fotomotive
Gartenanlage
Schloss Versailles

Wir fahren nach Fontainebleau.

Unterwegs taucht ein Ortsschild auf: Barbizon, - wäre ich allein, würde ich hier schon abgebogen sein. Fontainebleau entpuppt sich an diesem Tag als Lieblingsschloss französischer Lehrer. Waren wir in Versailles fast allein, wirbeln hier mindestens vier Schulklassen aller Altersstufen durch die Gegend. Es ist aber wirklich gut geeignet, französische Geschichte aus mehreren Jahrhunderten anschaulich zu machen – von Franz I. bis Napoleon und darüber hinaus. Franz I. fand die Lage ideal um seinem Hobby, der Jagd, zu frönen, ohne sich zu weit von Paris entfernen zu müssen. In der Renaissancegalerie ließ er voller Besitzerstolz sein großes „F“ anbringen. Kunstvolle Holzvertäfelungen, Fresken und Reliefs zeigen in einem allegorischen Programm seinen Herrschaftswillen. Auch sein Sohn, Heinrich II., hinterließ im Ballsaal sein „H“, allerdings eng verschlungen mit einem „D“. Sehr zum Ärger seiner Gemahlin, Katharina Medicis, die auf diese unfreundliche Weise daran erinnert wurde, welche Rolle sie und welche die Mätresse des Königs, Diane de Poitiers, spielte. Fast jeder der folgenden Könige ließ an diesem Schloss weiterarbeiten. Der eine baute noch einen ganzen Flügel dran, der andere begnügte sich mit Durchbrucharbeiten um die Zimmer nach seinem Geschmack zu verändern oder blieb nur Innenarchitekt. Man kann das Zimmer der Madame de Maintenon besichtigen, der zweiten Frau Ludwigs XIV., oder die Zimmerflucht der Kaiserin Josephine. All der staubige Prunk beeindruckt und ermüdet gleichzeitig. Das scheinen sich auch moderne Künstler gedacht zu haben, als sie die Räume mit ihren Objekten dekorierten. Ein Katze, die aufgeblasen an der Decke schwebt und ein Elefant, der auf seinem Rüssel balanciert, sorgen denn doch für Aufmunterung.

Fontainebleau
Franz I.
Französische Geschichte
Im Inneren
Napoleons Abdankung
Schüler überall

Verregneter Impressionismus Dienstag, 21. Oktober 2008


Der Regen zaubert impressionistische Effekte an die Scheiben des Busses. Auch wenn es zu unserem heutigen Ziel, Giverny, wunderbar passt, hätten wir gern darauf verzichtet. An diesem Tag verlässt uns der Wettergott. Und wir hätten ihn so gut gebrauchen können bei dem Spaziergang durch die Gärten des Herrn Monet, der mit seinem Bild „Le Impression“ unbeabsichtigt einer ganzen Stilrichtung ihren Namen gab und nicht nur ein berühmter, sondern auch ein kluger Mann war, denn sich seine Motive selbst anzulegen, ist schon genial. Wir wandern beschirmt über Wege und Stege den berühmten Seerosenteich entlang (hat sein japanischer Gärtner angelegt) und winden uns an mannshohen, parallel angelegten Blumenbeeten (normannisch?)hindurch, bis wir in sein Wohnhaus gelangen, das fast die ganze Breite der Anlage einnimmt. Es ist ein ziemliches Gedrängel, denn andere wollen wenigstens für kurze Zeit auch aus der Nässe heraus. Am Eingang steht ein junger Mann, der Plastiktüten für die Schirme bereithält, damit wir nicht gar zu sehr in Monets Wohnzimmern herumtröpfeln. Neben vielen seiner Bilder und japanischen Holzschnitte, die in vielen Zimmern hängen, sehen wir ein Stück bürgerliche Wohnkultur der 2. Hälfte des 19. Jh.. Am meisten hat es mir die Küche angetan. Der riesige, multifunktionale Herd, der Eisschrank, der noch mit Eis bestückt werden musste, die blauen Kacheln, die blitzenden Kupferpfannen. Dabei vergisst man leicht, was es für die Köchin für einen Aufwand bedeutete, damit hantieren zu müssen.

Die Brücke
Farben
Herr Grünberg
Claude Monets Wohnhaus
Sein Wohnreich
Der Seerosenteich

Unser zweites Tagesziel ist Auvers sur Oise.

Es bleibt impressionistisch, denn diese kleine Stadt war Aufenthalt vieler Maler, z.B. Pissaro und Sisley und nicht zuletzt der Ort, in dem Vincent van Gogh gestorben ist. Man hat sich eine hübsche touristische Idee ausgedacht, indem man Reproduktionen von Gemälden van Goghs vor seine Motive platzierte. Wir laufen die Straßen entlang, schauen uns die kleine Kirche im Original und auf dem Bild an und laufen zum Friedhof, wo Vincent und sein Bruder Theo nebeneinander liegen. Ihre Gräber sind, zum Unterschied der anderen, mit Efeu bedeckt. Es wirkt nicht so kalt und endgültig wie die dicken Steinplatten, die auf den anderen Gräbern liegen. Und meine Vermutung, dass das mit dem Aberglauben über die Wiedergänger zu tun haben könnte, wird mir von meiner Zimmergenossin bestätigt. Und die muss es wissen, schließlich hat sie Theologie studiert. Mein Blick fällt auf einige aufgebrochene Platten. Sollte es vielleicht doch dem einen oder anderen...


Das Motiv
Hier geht es lang.
Der Po von Vincent van Gogh.
Die Gräber
Weizenfeld mit Raben
Weizenfeld mit Krähen
Unsere enthusiastische Reiseleiterin Christine will uns noch auf das Feld führen, das Vorbild für van Goghs Bild „Weizenfeld mit Raben“ (oder waren es Krähen?) war. Das Feld ist abgeerntet, der Himmel verdüstert sich noch mehr und droht schon wieder undicht zu werden. Unsere leiblichen Bedürfnisse siegen über die künstlerischen. Wir wenden und suchen schnurstracks eine Unterkunft, die wir auch in einem Cafe am Markt finden. Gerade zeitig genug, denn jetzt pladdert es wirklich.
Was ist ein Van- Gogh- Motiv gegen eine Tasse heiße Schokolade, besser gleich zwei. Als es nachlässt, sehen wir uns das Van- Gogh- Denkmal an. Es ist belagert von einer Schulklasse, die mit erstaunlicher Geduld ihrem Lehrer zuhört. Da schreitet der Maler in Bronze dahin. Mit faltigem Gewand, dünn und vollbepackt mit seinem Malzeug. Und wie es sich für jede ordentliche Bronzeplastik gehört, hat auch sie eine blank geputzte Stelle – einige erhaben stehende Falten an der linken Pobacke glänzen wie Gold.
Wir sind zeitiger in Paris als geplant und laufen schnell!? noch die Stufen zu Sacre Coeur hinauf. Auch diese Kirche ist belagert, so dass man aufpassen muss, nicht rücksichtslos in die Aufnahme eines Touristen zu laufen. Im Innenraum der Kirche ist gerade ein Gottesdienst und die hellen Stimmen der Nonnen erfüllen den Raum mit einer feierlichen Stimmung. Ich sinke auf eine Bank und höre zu. Aber schon geht es weiter. Abendbrot ist angesagt und diesmal ist es libanesisch in der Nähe unseres Hotels. Die letzte Nacht in Paris.

Der Busfahrer bei der Arbeit
Elke Buchner im Regen
Künstler unter sich
Regen,Regen
Bei Vincent van Gogh
In Auvers-sur-Oise


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