Hannelores TagebuchHannelore Duwes Tagebuch der Balkanreise werden illustiert mit Fotos von Silke Scholz.
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Sonntag, 7. 10. 2007 Anreise 


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Wir fahren wieder zu einer unchristlichen Zeit in Riesa ab – um 3.30. Ich hatte versucht ein bisschen zu schlafen, aber ich wurde einfach nicht müde, so dass im Fernsehen gerade Anna Karenina mit ansehen musste, wie der Bahnarbeiter vom Zug überrollt wurde, als Irmgard mit den Worten,, Der Bus ist schon da“ anklopfte und mich, obwohl bestens vorbereitet, doch noch kurz in Hektik versetzte. Diesmal war der Bus schon etwas vorgewärmt. Nachdem wir in Meißen, Dresden und Plauen alle Mitreisenden aufgesammelt hatten, ging es den ganzen Tag zügig und ohne Zwischenfälle bis nach Zagreb.
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Montag, 8. 10. 2007 Zagreb 


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Das Hotel liegt im Außenbezirk der Stadt, so dass wir erst eine Stadtrundfahrt mit Zlata, einer rundlichen, dunkelhaarigen Stadtführerin, machen. Unterwegs erzählt sie uns, dass Zagreb wie Rom auf sieben Hügeln gebaut wurde. Mit ihrem slawischen Akzent verstehe ich sie manchmal nicht besonders gut, obwohl sie eine von den ständig wechselnden Führerinnen war, der man noch am ehesten folgen konnte. Die Stadt ist geprägt von einer Mischung aus k. und k. Architektur und den überall gleichen modernen Bauten. Manches alte Gebäude ist schon wieder schön restauriert, aber besonders an alten Häusern im Stadtzentrum fallen Schmierereien auf. Wir sehen das Theater, Regierungsgebäude, Universitätsbauten, Museen, schöne, von Bäumen umstandene Plätze und Zlata wird nicht müde uns auf die Internationalität der Stadt hinzuweisen, wie man überhaupt den Eindruck gewinnt, dass in ihren Reden viel Nationalstolz mitschwingt. Manchmal übertreibt sie, wenn sie darauf hinweist, dass wir jetzt eine „Unterführung“ sehen werden oder dass im Museum eine Mumie existiert mit der längsten Schrift auf ihren Leinenbinden oder dass das Gelb der Bauten dasselbe wie in Wien bei ähnlichen Gebäuden sei. Sie wiederholt wie eine gute Lehrerin ihre Ausführungen, damit wir bei der Kreuz - und – Querfahrt des Busses nicht den Überblick verlieren. Aber als wir dann zum wiederholten Mal an das „Unterteil des Platzes in Hufeisenform“ kommen, ist es mit meinem ohnehin schlecht ausgeprägten Orientierungssinn völlig vorbei. Als wir am Hotel losfuhren, war sehr wenig Verkehr, das hatte seinen Grund, denn in Kroatien ist dieser Tag ein Feiertag. Als wir aussteigen, sind schon mehr Menschen und Autos unterwegs und unser Busfahrer muss ganz schön lavieren.
Wir fangen unseren Rundgang merkwürdigerweise dort an, wo alles irdische Leben endet, beim Friedhof, aber bei einem, der es in sich hat. Ein riesiger Komplex, mit einer Mauer eingefasst, die von Türmen gekrönt wird, auf denen die Zeichen aller drei Religionen zu sehen sind, das Kreuz, der Halbmond und der Davidsstern. Im Tode alle gleichgestellt. Im Innern zieht sich ein mit Grün überrankter Wandelgang hin. Die Namenstafeln von berühmten Männern zeugen von der Multinationalität der einstigen Habsburger Monarchie. Deutsch klingende Namen und Namen mit der Endung „ ic“ wechseln, übrigens ist das eine Diminutivendung und heißt „ der Sohn von, der Kleine von“. Auch das Grab des ersten Präsidenten, Franjo Tudjman, befindet sich hier, ein riesiger schwarzer, glänzend geschliffener Stein erdrückt das Grab. Sein Name taucht überall in Kroatien auf, bei Straßen, einer Brücke, ein Denkmal, einer Schule.
Wir verlassen den Friedhof und fahren in Richtung Altstadt. Zentrum ist der Dom, 1886 von einem Erdbeben zerstört und neugotisch wieder aufgebaut.
Uns werden drei barocke Altäre gezeigt, die vom Erdbeben verschont geblieben sind. Der Gottesdienst ist vorbei, trotzdem sind noch viele Menschen im Dom und drängen sich vor einem durchsichtigen Sarkophag. Auf dem Tisch davor liegen Broschüren und Bildchen. Darauf ist der Kardinal Stepinac abgebildet. Zlata erzählt uns, dass das ein Regimegegner Titos war, der sehr vom Volk verehrt und von Papst Johannes Paul II. 1998 selig gesprochen wurde.
Doch zuvor laufen wir in die Altstadt, die auf zwei Hügel angelegt wurde. Dazwischen lag ein Flüsschen, und nur eine Brücke verband beide Teile. Auf der einen Seite hatten sich die Bürger angesiedelt, auf der anderen der Klerus. Oft gab es zum Teil blutige Auseinandersetzungen. Das Flüsschen ist verschwunden. aber die Straße, die heute dort ist, trägt noch immer den Namen „Blutige Brücke“. Jetzt befinden sich in der Nähe Straßencafes und andere Gaststätten. Ungewöhnlich für eine Stadtführung gibt es eine Rast, denn sonst werden wir möglichst schnell von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gescheucht. 41 Menschen finden in den Korbsesseln Platz und wir trinken Capuccino oder etwas anderes. Ein junger Ober bewältigt den Ansturm mit einer Mischung von Zackigkeit und Höflichkeit eines Leutnants der k. und k. Monarchie. Der Kaffee schmeckt ausgezeichnet und man könnte noch ein bisschen sitzen bleiben, die Fassaden sind zwar nicht frisch durchgestylt wie in anderen ähnlichen Vierteln, aber sympathisch. Wir steigen noch etwas höher in die Stadt hinauf, auf einen Platz mit Regierungsgebäuden und einer Kirche, deren Dach mit farbigen Schindeln gedeckt ist und an den Budapester Dom erinnert, nur etwas kleiner. Die Fliesen bilden Wappenbilder. Anhand des einen mit drei Marderköpfen, auf kroatisch „Kuna“, erklärt uns Zlata, dass der Name der Währung daher kommt. Als wir uns auf den Rückweg begeben, sehe ich ein Schild: Atelier Mestrovic. Der einzige Künstler, dessen Name mir aus dieser Region geläufig ist und ich bedaure keine Zeit zu haben.
Mestrovic ( 1883 1962) in der Zagora, einem ärmlichen Landstreifen, der an die dalmatinische Küste grenzt, geboren, war ein Autodidakt. Er hat nie eine Schule besucht und nur durch Förderer und großer Hartnäckigkeit wird er ein Künstler internationalen Ranges. er arbeitete und lebte u. a. in Wien, Paris, Chikago. In Kroatien hat er in vielen Städten seine Skulpturen und Plastiken hinterlassen. Wir sahen in Zagreb den „Brunnen des Lebens“ und in Split das monumentale Denkmal des „Gregor von Nin“.
Irgendwann zwischendurch erwähnt Zalta den Namen, den die Österreicher Zagreb gaben, Agram. Sie meinte durch die Schreibweise „a Gramm“ zeige sich, worin die „Wertschätzung“ der Habsburger für diesen Teil ihres Reiches bestanden hätte.
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Fahrt durch die Republika Srpska 


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Es ist früher Nachmittag und wir machen uns auf den Weg nach Sarajewo, wo wir zweimal übernachten sollten, - dachten wir.
Wir fahren durch die Pannonische Tiefebene, die vor allem eins ist – flach, flach, flach, das Auge ermüdet. Aber dafür durchwehen Kaffeegerüche den Bus und in der „Bordküche“ ist Geklapper zu hören – Christine ist zugange.
Sarajewo ist die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Wir müssen eine Grenze überschreiten. Die dort tätigen jungen Herren machen einen sehr ernsten Eindruck und während bisher unser Ausweis gar nicht kontrolliert wurde, möchte man hier sehen, ob alle ihrem Passbild ähnlich sehen. Meine Nachbarin Brigitte hat ihren im Koffer und dieser ist gut verstaut im Bauch des Busses. Das veranlasst einem männlichen Mitreisenden zu der Bemerkung: Das wird heute Abend geklärt! Wir sind 41! Kurz hinter der Grenze nehmen wir unsere nächste Stadtführerin an Bord. Sie soll uns, so war es vom Reisebüro vereinbart, in diesem Land begleiten. Aber da gibt es die ersten Irritationen. Sie ist Serbin und fühlt sich nur für Banja Luka verantwortlich, der Hauptstadt der Republik Srbska, die, wenn ich es richtig verstanden habe, eine Art Enklave in Bosnien ist. Der Name verbindet sich mit blutigen Auseinandersetzungen während des Balkankrieges. Darauf angesprochen reagiert Rene, so hatte sie sich vorgestellt, ziemlich kurz angebunden: Der Krieg sei „unglücklich“ gewesen, aber jetzt leben alle friedlich miteinander. Punkt. Aus. Sehr viel kann sie nicht wissen, denn ihre Kindheit hat sie in dieser Zeit in Deutschland verbracht. Die Stadt macht keinen großen Eindruck auf mich und unsere Führerin legt ein etwas hastiges Tempo vor. Wie überhaupt bei mir der Eindruck entsteht, als sei ihr die ganze Sache eher lästig. Als wir auf einen großen Platz ankommen, weist sie auf einen monumentalen Kirchenneubau im Stil der orthodoxen Bauweise hin. Wir vermuten im nachhinein, dass dort die Moschee gestanden haben könnte, die während der Auseinandersetzungen in die Luft gesprengt wurde. Dann besuchen wir eine orthodoxe Kirche und mein Fassungsvermögen setzt kurz aus. Ich bin müde und kann nicht mehr zuhören. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg nach Sarajewo. Der Bus fährt durch ein wildromantisches Tal. Rechts überhängende Felsen, so dass ich manchmal denke, jetzt bekommt der Bus auf dem Dach eine Schramme. Ich sitze rechts in Fahrtrichtung auf dem Innensitz und kann recht gut die Straße und den entgegenkommenden Verkehr sehen. Verdammt eng witschen die Fahrzeuge aneinander vorbei. Und dann passiert es: Ein LKW mit blauer Plane kommt uns entgegen, dahinter ein Bus, leicht versetzt zur Straßenmitte hin, und während ich denke, dass das ziemlich knapp werden würde, gibt es einen kurzen Knall und beide Busse haben ihren linken Rückspiegel verloren. Da die Straße so eng ist, fährt unser Fahrer weiter, bis zu einem kleinen Dorf, wo er mühevoll, unterstützt von einigen Männern, einen provisorischen Spiegel anbringt. Betrachtet man den Bus von vorn, so sieht die Front mit den beiden Spiegel aus wie riesiger Insektenkopf. Nun hatte er einen seiner „Fühler“ verloren. Wir fahren etwa nach einer Stunde weiter und werden einige Kilometer später von der Polizei angehalten. Da wir ziemlich spät dran sind, versucht Christine mit allen Mitteln die Polizisten zu überzeugen, weiterfahren zu dürfen, aber die verstehen nicht oder wollen nicht verstehen. Wir müssen die ganze Strecke zurück nach Banja Luka.
Der Fahrer des anderen Busses hatte behauptet, dass unser Fahrer Schuld an dem Unfall trägt und da eine solche Geschichte sofort vor einem Richter verhandelt werden muss, stehen wir in Banja Luka und harren der Dinge, die da kommen sollen. Zunächst kommt erst mal allgemeine Ratlosigkeit. Fahrer und Reiseleiterin sind bei der Polizei. Aber dann gegen 10 Uhr erscheint telefonisch benachrichtigt eine Mitarbeiterin des dortigen Reisebüros und verfrachtet uns erst mal in eine Gaststätte. Wir stolpern hinter Milena, so heißt die Frau, der wir anvertraut wurden, hinterher. Die Gaststätte entpuppt sich als ein Lokal, das auf rustikal getrimmt wurde. Mit Bauernmöbeln, entsprechender Dekoration und sogar ein Felsen mit Wasserfällchen ist auf der davor liegenden Veranda angelegt. Nachdem wir gegessen haben, zieht sich die Zeit hin. Es geht schon gegen Mitternacht und noch keiner hat uns gesagt, was nun werden soll. Nach Sarajewo werden wir wohl an diesem Tag nicht mehr kommen. Schließlich werden wir gegen Mitternacht in das Palace -Hotel einquartiert und gegen 2 Uhr morgens schlafe ich ein.
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Dienstag, 9.10. 2007 Sarajevo 


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Wir fahren durch das wildromantische Tal der Vrbas, nicht mehr ganz so unbeschwert wie am Tag zuvor. Aber die Felsen und die wechselnden Ansichten nehmen dann doch gefangen. Es gibt noch eine kleine Rast mit Fototermin auf eine alte Stadt, die malerisch im Tal unter uns liegt. Als wir die Grenze hinter uns gelassen haben, stößt kurze Zeit später eine zierliche junge Frau zu uns, die unsere Stadtführerin in Sarajewo sein wird. Unterwegs haben wir in den Ortschaften eine seltsame Mischung aus alten Häusern, leerstehenden Neubauten und Ruinen gesehen, bei letzteren ist nicht erkennbar, ob der Krieg oder natürlicher Verfall an ihrem Zustand schuld ist. Je näher wir der Stadt kommen, um so häufiger werden die Häuser, an denen die Einschusslöcher deutlich zu sehen sind. Schafherden veranlassen unsere Führerin zu der Erklärung, dass jetzt der Ramadan sei, also der muslimische Fastenmonat, an dessen Ende ein Schaf geschlachtet würde, das zu je einem Drittel dem Nachbarn, den Armen und der Familie zugeteilt würde. Wir fahren in die Stadt durch das „Chinesenviertel“ ein. Es macht einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Nach dem Krieg haben sich hier viele Asiaten angesiedelt, meistens ohne Pass, den man sich häufig durch Heirat nachbesorgt haben soll.
Obwohl anders geplant, fahren wir zunächst an einen Platz, der während des Krieges für die Bosnier von existenzieller Bedeutung war. Es ist ein Tunnel, der aus der Stadt, unter dem Flugplatz von Sarajewo hindurch, in außerhalb liegende Dörfer führte. Auf diese Weise versorgten Männer drei Jahre die von den serbischen Truppen eingeschlossene Stadt. Dort bekommen wir eine kurzgefasste Geschichtsstunde von den Ereignissen Anfang der neunziger Jahre: Nach Titos Tod ergreift Milosovic die Macht und strebt ein Großserbisches Reich an. Dem widersetzten sich die meisten Landesteile, weil man unabhängig sein wollte. Am 5. 4. 1992 findet ein Protestmarsch von Studenten statt, bei dem ein Heckenschütze eine Studentin erschießt. Damit wird wieder mal durch einen Schuss ein Krieg ausgelöst. Bosnien hatte keine reguläre Armee, denn die ehemalige jugoslawische Armee stand den Serben zu Verfügung. So gingen Freiwillige in den Widerstand. Sarajewo wurde eingeschlossen. Viele Menschen, vor allem Kinder, wurden ausgeflogen, aber die Maschinen kommen mit Waffen beladen zurück. Als der Tunnel entdeckt wurde, konnte man ihn nicht zerstören, denn sonst hätten die Serben die dringend nötige Landebahn zerstört. Obwohl der Tunnel ein Hoffnungsträger war, kostete er vielen Menschen trotzdem das Leben. Auch durch die Unbedachtheit der eigenen Leute. So erzählt man uns, dass im gegenüber liegenden Haus Polizisten wegen eines kleinen Erfolges vor Begeisterung in die Luft geschossen haben und dabei drei Menschen im darüber liegenden Obergeschoss töteten.
Als wir in die Stadt hineinfahren, wird auch nach einem Dutzend Jahren das Ausmaß der Zerstörung deutlich. Ein zerstörtes Altersheim, das gerade eingeweiht worden war, die zerschossene Nationalbibliothek, von einem Wiener Architekten in einem orientalisch anmutenden Neostil gebaut, hässliche Hochwohnhäuser aus der Tito – Ära und supermoderne Glaspaläste wechseln sich ab. Die Stadt zieht sich rechts und links des Flusses entlang und steigt dann die angrenzenden Anhöhen hinauf. Im Bestreben uns einen Überblick zu verschaffen, lockt unsere Führerin den Busfahrer eine steile Straße hoch, mit der Versicherung, dass er oben wenden könnte. Natürlich ging das nicht und der arme Mensch muss mühsam wieder rückwärts hinunter, was – nun schon zum wiederholten Mal – die Polizei auf den Plan ruft. Diesmal regelt sie das Problem durch ein Bußgeld. Dann laufen wir durch die Stadt. Was ist mir noch in Erinnerung? Natürlich die Stelle, an der der berühmte Schuss fiel, der den Ausbruch des I. Weltkrieges herbeiführte. Das Museum war schon geschlossen. Was übrigens mit dem bosnischen Studenten wurde, ist im Dunkel der Geschichte versunken. Der Krieg hatte begonnen und die Menschen hatten andere Sorgen. Ein Theater, im 19 Jh. gebaut und bis heute vom Militär genutzt, ein Stück Altstadt mit den üblichen touristischen Einrichtungen und einem Kopfsteinpflaster folgen. Auch eine Moschee wird im Vorübergehen von außen besichtigt. Hineingehen kann man nicht, es ist Ramadan. Aber am Friedhof entzünden sich später die Diskussionen, welche Grabsteine darauf hinweisen, ob ein Mann oder eine Frau darunter liegen – rund oder spitz am Ende Grabstelen? Auch die Grabsteine der Bogomilen ( slawisch: Gottesfreunde) erwecken unsere Aufmerksamkeit, sie ähneln kleinen Sarkophagen. Sie waren eine dualistische Sekte der griechisch – orthodoxen Kirche, die etwa im 10 Jh. von einem Popen Bogomil gegründet wurde. Sie hielten sich lange im Byzantinischen Reich, wurden aber immer wieder grausam verfolgt, da sie sich den Riten der offiziellen Kirche verweigerten. Schon erschöpft von der mehrstündigen Dauerinformation, landen wir im Hotel und erfahren, dass wir abends „auswärts“ essen. Die Meinungen sind geteilt, aber das Essen in einer kleinen Gaststätte im Touristenviertel stellt sich als wohlschmeckend und in angenehmer Atmosphäre heraus. Es gibt verschieden gefülltes Gemüse, ein Süppchen und zum Schluss Kuchen.
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Mittwoch, 10, 10 2007 Mostar 


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Unser nächstes Ziel ist Mostar, auch eine Stadt, die traurige Schlagzeilen im letzten Krieg gemacht hat.
Als wir dort ankommen, fängt es an zu nieseln. Wir parken auf einem großen Platz, der von hässlichen Wohnhochhäusern und einer katholischen Kirche gesäumt ist. Man hat daneben einen riesigen, disproportionierten „Campanile“ gebaut, der nach den vergangenen Ereignissen wie eine Provokation wirkt. Unsere Führerin weist uns auf repräsentative Gebäude hin, die immer noch Ruinen sind. Manche Häuser sind so von Grün umrankt, dass sie schon wieder romantisch wirken. Dann laufen wir über winziges Kopfsteinpflaster durch die Altstadt zu der berühmten Brücke hin. Das Pflaster sollte angeblich bewirken, dass die Frauen auf ihre Füße acht geben mussten und deswegen keine Möglichkeiten hätten, auf vorbeigehende Männer zu schauen. Die Straße ist gesäumt von Andenkenläden, kleinen Lokale, aber es ist nicht viel los, weil es regnet und auch wir versuchen unter unseren Schirmen das Wichtigste mitzubekommen. Die Brücke zusammen mit dem Gebäudeensemble macht einen zauberhaften Eindruck. 1993 wurde sie von Kroaten gesprengt, als die Auseinandersetzungen sich gegen die Muslime richteten. 2005 ist sie unter der Schirmherrschaft der UNESO neu errichtet worden. Nur türkische Handwerker durften nach den alten Techniken daran arbeiten. Das ist nicht verwunderlich, denn 1566 ist der Baumeister ein Lehrling des berühmten Sinan, Architekt von Suleiman dem Prächtigen, gewesen. 1088 Steinblöcke sind es, 20 Meter überspannt sie die Neretva, ihr höchster Punkt über dem Fluss beträgt auch 20 Meter. Wir laufen über die weißen, glatten Steinplatten und da sie feucht sind, ist es gefährlich rutschig. Aus diesem Grund sind zwischen den Platten auch Steinstege gelegt, die vor allem dafür sorgen sollten, dass Fuhrwerke bei der erheblichen Steigung nicht ins Rutschen kommen. Da Ramadan ist, können wir nur eine kleine, für museale Zwecke eingerichtete Moschee besichtigen, die allerdings mit allem, was in eine solche Einrichtung gehört, versehen ist. Sie gehörte den Gerbern und besitzt an den Wänden Malereien, Ranken und Blumen. Dann sehen wir uns ein Museum an, das die Wohnwelt einer wohlhabenden türkischen Familie im vorigen Jahrhundert dokumentieren soll. Gerätschaften, Möbel und Kleidungsstücke sind ausgestellt, aber es brauchte viel mehr Zeit, das alles genauer betrachten zu können. Dort wird uns übrigens auch ein Film gezeigt, der zeigt, in welchen Abschnitten die Zerstörung der Brücke verlaufen ist und wie man sie langsam als ein Symbol des Friedenswillen wieder aufgebaut hat. Von der Bergung des ersten Steines bis zur Fertigstellung. Aber wir müssen weiter und fahren an Häusern vorbei, die von Einschusslöchern übersät sind. Im Vorbeifahren erhasche ich einen Blick auf den obersten Balkon eines Hochhauses. Die Seitenwand fehlt und ein Junge beugt sich gefährlich weit vor. Wir fahren noch ein Stück an der Neretva entlang. Das Flusswasser ist von einem wunderbaren Smaragdgrün, und ich habe diesem Fluss Unrecht getan. Verbindet sich doch der Name mit einem jugoslawischen Film „Die Schlacht an der Neretva“, der mir wegen seines grausamen Szenarium und einer internationalen Schauspielerbesetzung in Erinnerung geblieben ist. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gottesgeschenk“. Wir verlassen Bosnien – Herzegowina. Die Eindrücke waren gemischt, wozu der unfreiwillige Aufenthalt in Banja Luka beigetragen hat. Wir fahren der Küste entgegen.
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Donnerstag, 11. 10. 2007 Dubrovnik 


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Am gestrigen Abend haben wir unser Hotel bezogen. Es ist diesmal ein erstaunlich großes Zimmer mit ebensolchem Bad. Da wir hier dreimal nächtigen, sind das erfreuliche Aussichten. Der Badeort liegt an dem Küstenstreifen , den man die Makarska – Riviera nennt und hat noch das Flair eines späten Oktobertages. Heute fahren wir in das 300 km entfernte Dubrovnik. Der Bus windet sich die Straße durch das Kalksteingebirge empor. Immer wieder gibt sie den Blick frei auf das Meer und da es eher ein trüber Tag ist, schimmert das Wasser in silbergrauen Farbtönen . Am Horizont liegen die „Kreuworträtselinseln“ Brac und Hvar. Doch zunächst durchqueren wir das Neretva – Delta. Felder sind durch kleine Kanäle getrennt und manche von ihnen stehen unter Wasser. Ich vermute, es sind Reisfelder. Dazwischen liegen Mandarinenplantagen. Auf dem Heimweg werden wir Halt machen und bei einem Bauern am Straßenrand einkaufen. Obst, Feigen und Honig. Kurz vor Dubrovnik hält der Bus auf der Höhe und man kann auf die von einem Mauerring umschlossenen alte Stadt hinuntersehen. Sie liegt auf einer vorgelagerten Halbinsel vor der modernen Stadt. Als wir dort ankommen, ist echter Touristenbetrieb. Menschentrauben, Busse - und Fremdenführer suchen ihre Herden. Wir laufen durch das alte Stadttor und stehen auf einem relativ großen Platz, der von den Mauern eingeschlossen ist. Die Kaufleute des mittelalterlichen Ragusa gingen auf Nummer sicher. So schnell kam man nicht in die eigentliche Stadt hinein. Erst nachdem man ein zweites Tor passiert hat, steht man am Anfang der Hauptstraße. Sie ist mit breiten Kalksteinplatten ausgelegt und da auch die Häuser mit dem gleichen Material gebaut sind, macht die Stadt einen „weißen“ Eindruck. Unsere Führerin spricht sehr gut deutsch und ist sich dessen auch bewusst, was in der Bemerkung „ich hatte die Ehre Herrn Stoiber zu begleiten“ zum Ausdruck kommt. Auf jeden Fall bin ich begeistert, und lasse mir von dem beginnenden Regen nicht die Laune verderben.
Dubrovnik war im Mittelalter stärkster Rivale Venedigs und an den repräsentativen Gebäuden kann man das bis heute nachvollziehen. Sie hatte die größte Flotte im Mittelmeer. Ein Erdbeben hat die Stadt 1667 zum Teil zerstört, aber man baute sie wieder auf, auch als die größte Blüte vorbei war. Sie war vom 13. Jh. – 19. Jh. eine freie Stadt, bis Napoleon sie besetzte. Nachdem er besiegt worden war, schlug man sie während des Wiener Kongresses den Habsburgern zu.
Bei dem Erdbeben von 1979 fand man bei den Aufräumungsarbeiten Reste byzantinischer Mauern, so dass die Stadt älter ist, als man bisher vermutete. Eine Legende um Richard Löwenherz konnte bisher nicht bewiesen werden. Er soll bei der Rückkehr vom 3. Kreuzzug auf einer der vorgelagerten Inseln gestrandet sein und als Dank für seine Rettung gelobt haben dort eine Kirche zu errichten. Die Bewohner der Stadt sollen ihn gebeten haben, die Kirche doch in ihrer Stadt zu bauen. Sie dachten halt praktisch.
Nach dem Rundgang gibt es noch knapp zwei Stunden „Freizeit“, obwohl ich diesen Begriff für einen individuellen Bummel irritierend finde. Wir laufen von dem romantischen Hafen zurück in die Stadt. Die Burgmauern zu erklimmen reizt mich nicht, mich zieht es zu den Gassen. Sie sind so schmal, dass die Bewohner Mühe hatten, ihre Privatsphäre zu schützen. Dafür waren in die Mauer eingelassene steinerne Ösen da, durch die man an einem Stab befestigte Stoffbahnen schob. So konnte man zwar noch alles hören, aber wenigstens nicht mehr alles sehen, was der Nachbar so trieb. In einer der Gassen machen wir die kleine Synagoge aus. Sie steht unauffällig in der Häuserfront. Im unteren Geschoss befindet sich ein Museumsraum mit Thorarollen und Kleidungstücken, die bei der Zeremonie getragen wurden. Ein Etage darüber der kleine Gebetsraum. Er hat die Grundausstattung jeder Synagoge. Der Thoraschrank an der Stirnseite, davor eine Estrade mit dem Lesepult, links und rechts Bänke aus dunkel gebeiztem Holz und gegenüber dem Thoraschrank auf der anderen Seite des Raums eine Empore für die Frauen. Der Raum strömt eine stille, fast intime Atmosphäre aus.
Dann wenden wir uns leiblichen Interessen zu. In einer der Gassen finden wir ein Restaurant, wo ich mich erst mal stärke und eine warme Mahlzeit zur gewohnten Stunde einnehme. Dann bummeln wir noch ein Stückchen und die Zeit ist um. Wir fahren ins Hotel zurück und machen einen Abendspaziergang am Meer, sehen, wie die Sonne ins Meer taucht und sind von diesem Naturschauspiel wieder begeistert. Die Wellen klatschen ans Ufer und machen einen friedlich und- schläfrig.
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Freitag, 12. 10. 2007 Insel Brac 


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Heute muss der Busfahrer pausieren und es bilden sich zwei „Fachgruppen“. Die einen sind individualistisch, die anderen mehr dem Gruppentrieb verfallen. Ich gehöre zu letzterer. Wir fahren mit einem Ausflugsboot zur Insel Brac. Es dauert etwa eine halbe Stunde und ich wünschte mir, wir könnten länger auf dem heute blauen Mittelmeer herumschippern. Auf der Insel werden wir von einem älteren Herrn herumgeführt und der Spaziergang endet bei einer kleinen Kirche, auf deren Gelände man zwei alte Baptisterien gefunden hat, von denen man allerdings nur mit viel Fantasie die ursprüngliche Ausdehnung erkennen kann. Viel schöner finde ich eine prachtvolle Palme im Vorhof. Hinter der Kirche liegt ein alter Friedhof, von dem aber nur zwei Gräber zu erkennen sind, die noch aus spätrömischer Zeit stammen. Sie sehen wie kleine breite Hütten aus und sind auch mit gewölbten Ziegel „gedeckt“. Dann wird noch ein Foto gemacht. In unserer Gruppe ist auch eine ältere Dame aus Berlin mitgefahren, die wir gleich integrieren. Später wird man dann rätseln, wer wohl diese Kollegin gewesen sei. Dann laufen wir die Dorfstraße weiter und gelangen an die Landspitze, wo sich der Friedhof befindet. Mit seinen weißen steinernen Grababdeckungen und seltenem Grün wirkt er zwar pompös, aber kahl und trostlos. Auf den Steinen die verblichenen Fotos der Verstorbenen. Langsam trödeln wir am Ufer zu der Anlegestelle zurück. Das Wasser ist glasklar und wir entdecken dunkle Schwärme kleiner Fische und zwei Krabben, die auf den glitschigen Steinen herumtorkeln. Ein Stück des Weges begleitet uns ein schwarzweißes Kätzchen. Als wir wieder an Bord gehen, haben die Bootsführer Makrelen gebraten, dazu gibt wohlschmeckendes Brot und einen einfachen Landwein. Die Reste der Mahlzeit werden dorthin entsorgt, woher sie ursprünglich gekommen war. Die Möwen freut`s. Dann schippern wir wieder zurück. Als wir landen, sind einige Fahrgäste sehr lustig. Was nicht verwunderlich ist, haben sie doch dem Wein zugesprochen, an Land noch ein Bier getrunken und auch die „Medizin“ zur Verdauung nicht abgelehnt. Sie wollen noch sitzen bleiben. Schließlich krabbeln sie doch von Bord und fallen kichernd auf der Uferpromenade in der ruhigen Umgebung auf.
Am Abend fahren wir auswärts essen. Es ist ein kleiner Dorfgasthof, in dem man uns runde Pfannen, in denen Kartoffeln und unterschiedliche Fleischstückchen liegen, serviert. Dazu wieder Wein und die Medizin. Ich verzichte auf letztere, das Gericht hätte ein bisschen mehr Schärfe vertragen können.
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Sonnabend, 13. 10. 2007 Split 


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Wir fahren nach Split oder in römischer Zeit Spoleto. Als kulturelles Highlight gilt der Palast des Kaisers Diokletian. Split ist die Hauptstadt von Dalmatien. Unser Bus findet einen Parkplatz, der nahe an der Uferpromenade liegt. Fähren und Schiffe liegen dort, das Wasser hat wieder das unwirkliche Postkartenblau, alles strömt das Flair eines Mittelmeerhafens aus. Dort treffen wir unsere Fremdenführerin. Wenn ich mir ihr Bild in Erinnerung rufe, dann fällt mir das Wort kapriziös ein. Zierlich, bei jedem Satz gestikulierend , rötliche Haare harmonieren mit rötlich- braunem Kleid, aber – sie ist eine Katastrophe. Irgendwie hat sie das deutsche Idiom mit der italienischen Satzmelodie kombiniert. Endungen tauchen auf, die den armen Zuhörer total verwirren und schließlich zur Aufgabe des Lauschens zwingen. Dazu wird heftig gestikuliert. Sonst drängle ich mich meist in die Nähe dieser Damen, diesmal gebe ich auf.
Wir laufen über einen breiten Boulevard, der auch mit diesen weißen Kalkplatten bedeckt und mit Palmen gesäumt ist und in seiner Belebtheit einen heiteren Eindruck macht. Ein Teil der angrenzenden Fassaden gehören schon zur Palastanlage, denn es war eher eine Palaststadt. Im Laufe der Jahrhunderte hat man Häuser mit ihren Gassen und Kirchen hineingebaut. Zunächst gelangen wir in die Kellergewölbe, die aus diesen schmalen, flachen antiken Ziegelsteinen gebaut sind. Sie beherbergen vor allem Andenkenstände. Dann steigen wir steile Stufen empor und stehen auf einem Platz, der von einem Teil der Räume des Kaisers und dem Jupitertempel begrenzt wird, dieser ist allerdings jetzt eine Taufkapelle. Wir steigen weitere Stufen empor und stehen in der Empfangshalle, deren Ausmaß und Gewölbe noch einen schwachen Abglanz einstiger Pracht erahnen lässt. Dort haben vier Herren Aufstellung genommen, die uns Folkloregesang zu Gehör bringen. Der überkuppelte Raum hat eine wunderbare Akustik, wir aber müssen weiter und laufen durch Gassen mit verlockenden kleinen Geschäften und Plätzen. In mittelalterlichen Häuserfassaden tauchen Kirchen auf, schöne gotische Fenster und dazwischen hängt Bettwäsche zum Trocknen .In einem Frisörladen, der im Erdgeschoss eines der altehrwürdigen Bauten untergebracht ist, kümmert man sich nicht um das touristische Interesse an der Umgebung. Ohne uns zu beachten wird mit Hingebung das Haar gefönt. Wir tauchen wieder aus dem Gassengewirr auf und stehen an unserem Ausgangspunkt, dem Boulevard. Ich setze mich auf eine der Bänke und ruhe mich aus, denn schon bald fahren wir weiter, nach Trogir.
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Trogir nachmittags 


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Leider, muss man sagen, begleitet uns das Persönchen, das das Wort „interessante“ zu ihrem Lieblingsausdruck erklärt hat und so sind meine Erinnerungen mehr als vage. Die Altstadt hat mit Leuchtreklame an einem der Eingänge deutlich gemacht, dass sie zum UNESCO – Kulturerbe erklärt wurde. Auch hier bezaubernde kleine Straßen und Gässchen, ein Jachthafen. Wir sehen uns die Kirche an, die drei Stilepochen in sich vereinigt, nämlich Romanik, Gotik und Renaissance. Nebenbei wird auch auf eine alte Schule und Krankenhäuser hingewiesen, was mir bei anderen Stadtführungen auch schon aufgefallen war. Wir machen uns aus dem Staub. Brigitte macht sich auf ihrem weißen Tuch in einer ungepflegten Grünanlage lang, die meisten anderen sind auf Souvenir- und Motivsuche. Dann fahren wir unserer nächsten Schlafstätte entgegen – Sibenik.
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Sonntag, 14, 10. 2007 Sibenik 


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Wir sind in einer riesigen Hotelanlage gelandet. Die Vorhalle und die Zugänge zu den Zimmern haben den Charme einer Tiefgarage. Das Hotel ist mit großen Gruppen von Menschen besetzt, die mit südländischer Lautstärke irgend etwas zu feiern scheinen. Der riesige Speisesaal ähnelt eher einer Betriebskantine und wird noch zusätzlich beschallt durch die Musik – und Fernsehanlage im großen Nebenraum, der auch als Bar funktioniert. Am Abend vorher wollten wir noch einen kleinen Spaziergang ans Meer machen, aber es war schon zu dunkel und die Anlagen unbeleuchtet, so verkrochen wir uns ins Bett. Heute also Stadtführung durch Sibenik.
Ich habe so schlecht geschlafen, dass ich nicht sehr aufnahmefähig bin. Ich erinnere mich, dass wir durch die schöne Altstadt laufen und schließlich vor der Kirche stehen, die als Besonderheit aufweist, dass sie vollständig aus Stein geschichtet ist? (Ist das nicht jede Kirche?) Leider können wir nicht hineingehen, denn es ist Sonntag und Gottesdienst. So werfen wir nur einen kurzen Blick in den dunklen Kirchenraum. An der Fassade fällt mir eine Reihe von steinernen Köpfchen auf, die eine bemerkenswerte Porträtähnlichkeit haben.
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Zadar 


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Dann fahren wir nach Zadar. Noch eine schöne alte Stadt, die ich nicht richtig aufnehmen kann, weil mein vegetatives Nervensystem verrückt spielt. Nur an die ausgesprochen hübsche Führerin kann ich mich gut erinnern und einen Park, der vom österreichischen Stadtkommandanten angelegt wurde. Da Sonntag ist, liegt die Stadt relativ still da. Sehnsüchtig schaue ich einer Frau hinterher, die über den Platz läuft und ein Kuchenpaket vor sich hinträgt. Wir fahren weiter und beziehen unser nächstes Quartier, das wieder im gebirgigen Hinterland liegt. Das Hotel ist ziemlich verwohnt. Als wir zum Abendessen gehen, revoltiert auch noch mein Magen und ich bitte die Bedienung um heißes Wasser, mit dem ich meinen Magentee aufgieße und mitleidig serviert sie mir noch ein paar Toastschnitten. Aber auch die folgende Nacht bringt nicht die erhoffte Erholung. Die Matratze liegt lose auf der Unterlage und zusammen mit dem südländischen Bettdeckengewühl rutsche ich ein paar Mal vom Bett. Am nächsten Morgen ist es empfindlich kalt geworden und an manchen Stellen hat sich auf dem Boden Raureif gebildet. Als die Sonne richtig hervorkommt, zeigt es sich, dass ein schöner Herbsttag vor uns liegt. Die Hotelanlage liegt im Nationalpark „Plitvicer Seen“.
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Montag, 15. 10. 2007 Plitwitzer Seen 


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Also noch ein Nationalpark. Die junge Frau, die uns begleitet, spricht sehr gut deutsch, aber da wir meistens hintereinander durch die Wege wandern, bekomme ich nicht alles mit. Außerdem bin ich immer noch nicht auf dem Posten, wenn auch die Übelkeit und die Kopfschmerzen weg sind. Zuerst fahren wir mit einem als Zug getarnten Bus ein Stück in die Landschaft hinein. Dann wandern wir den See entlang und manche Strecke auch über Bohlenstege, die über das Wasser angelegt sind. Ein Abschnitt mit einer großen Höhlenöffnung war mal Drehort für den „Schatz im Silbersee“, einer der Karl-May –Verfilmungen aus den 60er Jahren. Auch das Kanu, mit dem Pierre Brice über den See paddelte, dümpelt, von Algen überzogen, am Rand des Weges unter Wasser dahin. Man habe es als Andenken da versenkt, erzählt man uns. Dann werden wir vor den 70 Meter hohen Wasserfall geführt. Hoch ist er ja, aber von weitem wirkt sein Strahl ziemlich dünn, erst als wir näher kommen, hört man beeindruckendes Rauschen und die Luft ist von dem zerstäubten Wasser mit Feuchtigkeit erfüllt. Vor diesem Naturschauspiel sind stufenförmig Balken angelegt, und als sich alles zum Fototermin aufstellt, ist auch der Zweck klar. Wir steigen bergauf und bergab, immer begleitet von dem Rauschen größerer und kleinerer Wasserläufe, die Sonne scheint und lässt die Herbstfärbung der Blätter leuchten. Hin und wieder macht unsere Führerin halt und weist uns auf die Tierwelt des Parks hin, die auf Schautafeln, allerdings nie in natura zu sehen ist. Auch die Bronzetafel einer berühmten Sängerin, die viel Geld für diesen Park gestiftet hat, zollen wir unsere Aufmerksamkeit. Dann setzen wir auf einer Art Fähre über den See und gelangen an ein Ausflugsrestaurant. Kaffeepause. Dann geht es mit einer anderen Fähre an den Ausgangspunkt zurück .
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Weinprobe 


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Als unser Bus uns wieder aufnimmt, haben wir noch eine Besichtigungstour vor uns. Zunächst geht es wieder an die Küste zurück, nach Opatija. Unterwegs biegt der Bus in eine dörfliche Straße ein. Es stellt sich heraus, dass auch bei dieser Fahrt die Weinprobe zum nicht ausgewiesenen Programm gehört. Diesmal ist es ein kleines Gasthaus. Wir sitzen auf langen Bänken und kosten und kaufen. Dicht daneben liegt das Feld, auf dem die schon abgeernteten Weinstöcke stehen Das ländliche Ambiente bildet einen deutlichen Kontrast zu den großen Weingütern, die wir auf unseren anderen Reisen in Kaltern und in Griechenland besucht haben. Dann geht es weiter. Als wir durch die Stadt Opatija fahren, sieht man schöne alte Villen, manche restauriert, andere verfallen, Palmen säumen die Straße. Gleich nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, drängelt Christine zur nächsten Besichtigungstour, der Terminplan ist eng. Und ich gebe auf und schlafe wie eine Tote, während die anderen den ehemaligen Kurort der k. und . Wiener Hofgesellschaft besichtigen.
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Dienstag, 16. 10. 2007 Adelberger Grotte 


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Wir verlassen Kroatien und fahren nach Slowenien, was auch bedeutet, das wir uns wieder in Euroland befinden, Zum Glück, denn ich hatte ganze zehn Euro in Kuna gewechselt und musste allerdings einmal bei Steffi borgen. Es war einfach keine Zeit großartig Geld auszugeben. Unterwegs machen wir noch mal Halt um die berühmten Tropfsteinhöhlen von Postojna zu besuchen. Brigitte weigert sich unter die Erde zu gehen, weil sie Sonnenanbeterin ist und auch ich bin zunächst etwas zögerlich. Es geht mir zwar wieder gut, aber ich will das durch lange Wanderungen nicht aufs Spiel setzen. Doch die Neugier siegt. Dass es ein Touristenmagnet ist, sieht man unter anderem darin, dass auch eine große Reisegruppe Japaner anwesend ist. Am Eingang stauen sich Menschenmassen, aber dann geht alles ziemlich schnell. Die Besucher werden in kleine, Loren ähnelnden Züge verfrachtet, die zunächst einmal zirka sechs Kilometer in den Berg hineinfahren. Es geht durch große Hallen mit fantastischen Gebilden und niedrige Tunnel, so dass man unwillkürlich den Kopf einzieht. Das Züglein rattert auf den schmalen Schienen und macht dabei einen Krach, als sei es mindestens ein ICE. Dann kommen wir in einer riesigen Grotte an, in der sich ein Berg erhebt, dort stehen Schilder mit den unterschiedlichen Nationalfarben, damit sich die Besucher nach ihren Sprachen sortieren können. Die deutsche Gruppe besteht bestimmt aus rund 80 Leuten. Aber durch ein Mikrofon und die Gelassenheit der Führerin kommt Ordnung in die Truppe. Dann beginnt die anderthalb Stunden dauernde Besichtigung. Wir steigen bergauf und bergab, laufen durch Säle und Räume, immer die wunderbarsten Tropfsteingebilde vor Augen. Der Boden ist feucht und glatt, aber seltsamerweise nicht rutschig. Ab und zu tropft es auf uns herab. Nebenbei bekomme ich endlich eine Eselsbrücke von einer Kollegin genannt, wonach ich mir endlich merken kann, dass die Stalaktiten, die nach unter hängenden Tropfsteine sind, und die Stalagmiten die nach oben wachsenden. Einige Formationen sehen aus wie herunterhängende Fahnen. Das Höhlengebilde wurde etappenweise entdeckt bzw. für Besucher zugänglich gemacht. Die malerische „Russische Brücke“ erinnert daran, dass sie von russischen Kriegsgefangenen im 1. Weltkrieg gebaut wurde. Wie wird denen zumute gewesen sein. Vielleicht so wie mir, als man für Sekunden das Licht ausschaltete, auch wenn die Dunkelheit nur wenige Sekunden dauerte, blieb mir die Luft weg. Manche Säle haben Namen. So der „Spagettisaal“, dessen Decke mit winzigen, wirklich kleinen Nudeln ähnelnden Stalaktiten übersät ist oder der „Rote Saal“, dessen Tropfsteine alle Farbnuancen von rosa bis rostrot haben. In einem quadratischen, ausgeleuchteten Bassin befinden sich die „Menschenfischlein“, ein Grottenolm, der als zoologische Rarität gilt. Als ich hineinsehe, scheint das Becken leer, dann erblicke ich in einer Ecke die kleinen Wesen, rosa Regenwürmer mit Beinen. Ich wundere mich über die helle Beleuchtung, ist diese Art doch an eine lichtlose Umgebung gewohnt. Vielleicht haben sie sich deswegen alle wie schutzsuchend in einer Ecke verkrümelt. Am Ende der Besichtigung gelangen wir noch in einen besonders großen Saal, der hin und wieder für Konzerte benutzt wird. Schon von weitem hört man hallende Laute, die allerdings von wenig musikalisch begabten Mitmenschen zu stammen scheinen. Dann nimmt uns die „U-Bahn“ wieder auf und befördert uns zum Ausgang.
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nachmittags Ljubljana 


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Wir fahren unserer letzten Station entgegen, der Hauptstadt von Slowenien, Ljubljana. Auf einem zentralen Platz der Stadt erwartet uns die Stadtführerin. Eine der ersten Informationen von ihr ist für mich sehr verwunderlich, nämlich dass Slowenisch mit den anderen slawischen Sprachen nicht zu vergleichen sei. Zumindest nach der Schrift auf Hinweistafeln oder Firmenschildern in der Stadt kann ich Sprachen Unkundiger keinen großen Unterschied feststellen. Aber auch hier schwingt eine gewisse Aversion gegenüber den anderen Republiken mit. Zum Beispiel, als es um den nur 40 km breiten Zugang Sloweniens zum Mittelmeer geht: „Die Kroaten wollen möglichst alles haben.“ Nun ja. - Die Stadt gefällt mir trotzdem ausnehmend gut.
Wir laufen an der Uferpromenade des Flusses Ljubljanica entlang, an dem die Stadt angelegt ist. Viele Brücken führen darüber, unter anderem eine, die gleich aus drei Übergängen besteht. In der Altstadt bietet sich das gleiche Bild, wie in ähnlichen Städten. Restaurierte alte Häuser, in denen sich sündhaft teure Geschäfte eingemietet haben. Im Rathaus ist eine kleine Ausstellung von Bildern, die den Anschein erwecken, als seien sie von einem Laienzirkel gemalt und immer wieder werden wir auf die neue Zeit hingewiesen, die jetzt angebrochen sei.
Als wir ins Hotel zurückkehren, wäre noch Zeit, einen individuellen Bummel zu machen, aber meine Zimmergenossin hat Restaurierungsabsichten. Nach dem Abendessen, es ist schon dunkel, überkommt sie die Abenteuerlust. Aber nachts in einer fremden Stadt mit jemanden durch die Stadt zu streifen, der ungefähr soviel Orientierungssinn wie ich hat, ist mir nicht ganz geheuer. So bleibt der „Spaziergang um den Block“. Ich schlafe gut und als wir am nächsten Morgen losfahren, Richtung Heimat, bedaure ich fast, dass die Tage herum sind. Vergessen sind die Unpässlichkeiten.
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