Hannelore Duve hat wieder Tagebuch geschrieben.





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Hannelores Tagebuch

Hannelore Duve hat wieder Tagebuch geschrieben.


Der Weg ist das Ziel

(Sonnabend, 10.10. und Sonntag, 11.10.)

Um in unserer Zeit auf eine Insel zu kommen, wäre das Flugzeug die naheliegendste Möglichkeit, aber unsere Truppe scheint so an ihren Bus gewöhnt zu sein, dass wir durch halb Europa kutschieren. Während die Fahrt beginnt, gleite ich allmählich von Phase II in die dritte (zur Erklärung – Phase I beginnt ein Jahr vor der Abreise und beinhaltet etwa: Irland, toll ! – Phase II beginnt einen Monat davor – warum hast du dir das angetan und in der dritten Phase überwiegt die Vorfreude).
Nebenbei pflege ich einige kleine Reisepsychosen. Ich überlege, ob ich alle Türen und Fenster geschlossen habe, das Licht ausgemacht und... mit der Entfernung verblassen sie allmählich. Vielleicht liegt es auch daran, dass Eckehardt Grünberg etwa auf der Höhe von Hannover über seine neuesten Wiskhey – Experimente zu dozieren beginnt, uns über die Angaben auf dem Etikett „Bushmill“ aufklärt und durch eine kleine Kostprobe die Wirkung dieses Getränks am eigenen Leib erfahren lässt.
Als wir die Niederlande erreichen, zeigt sich, dass die Wetterfrösche Recht behalten haben, es regnet. Aber da die Regenfront nach Osten und wir nach Westen unterwegs sind, kann man hoffen, dass wir trockenen Fußes die Fähre besteigen können.
Aber in Rotterdam regnet es und das bleibt auch so, als wir auf der Fähre sind. Bei der Ausreise nach England ist unser Ausweis gefragt. Und da erwischt es ein mitreisendes Ehepaar. Die Frau hat keinen gültigen Ausweis – ein dummes Versehen beim Einpacken- und nichts hilft, sie müssen nach Hause den Reisepass holen. (was sie denn auch tun und am Montag in Dublin zu uns stoßen). Sie haben unser Mitgefühl, denn kaum einer war sich sicher, immer auf das Ausstellungsdatum gesehen zu haben.

HanneloreVorfreude auf IrlandWhiskey

Fähre

Es ist eine ziemlich große Fähre, die mir aber nicht mehr so viel Respekt abfordert wie damals in Ancona, da war es das erste Mal. Diesmal sind die Modalitäten schon vertrauter. Als sie ablegt, gehen wir auf das „Sonnendeck“. Der Wind und unterschiedlich starke Feuchtigkeit von oben halten uns nicht ab, das Auslaufen zu sehen. Wir harren aus und betrachten die in der Dunkelheit festlich beleuchteten Anlagen dieses großen Hafens, bis nur noch ein blinkender Streifen am Horizont zu sehen ist.
Dann gehen wir essen.
Nach einer unruhigen Nacht, z.T. verursacht durch „Teenielärm“, legen wir in Hull an. England empfängt uns mit schönem Herbstwetter und der Busfahrer hat, sehr beruhigend, den Linksverkehr nicht vergessen. Quer durch England bzw. Wales fahren wir der Westküste zu. Die Aufschriften auf den diversen vorbei fliegenden Schilder kommen mir eigenartig vertraut vor, obwohl ich sie selten übersetzen kann, ein Zeichen dafür, wie sehr die Anglismen in unseren Alltag vorgedrungen sind. Je weiter wir nach Westen kommen, desto regnerischer wird es und im Raum Manchester erleben wir eine der Attraktionen der Insel, Nebel. Um die Autobahndurststrecke zu überbrücken, laufen im Bus Videofilme, in denen natürlich schönster Sonnenschein herrscht.
In Holyhead wölbt sich wieder der blaue Himmel und die nächste Fähre bringt uns über die Irische See, die passender weise ganz grünlich ist, nach Dublin. Es ist Abend geworden, wir beziehen unser Hotel, dass an einer stark befahrenen Straße und am Flugplatz liegt, aber die Fenster schließen dicht.


Dublin ( Montag, 12. 10.)

Stadtrundfahrt. Wir lernen unseres Reiseführerin Jutta Shannon kennen, die uns in den nächsten Tagen mit einem schier unerschöpflichen Strom an Informationen versorgen wird. Es ist eine glückliche Wahl, denn sie ist Deutsche ( es gibt also keine Verständigungsprobleme), aber schon seit zwanzig Jahren in Irland ( verfügt also über ausreichend Insiderwissen). Das schüttet sie über uns aus, wobei mir durch diverse Zwischenhinweise manchmal die Übersicht verloren geht.
Während wir in das Stadtzentrum fahren, erfahren wir, dass Dublin etwa 1,5 Millionen Einwohner hat und sich somit ein Drittel der Bevölkerung für die Stadt entschied. Die Stadt streckt sich eher in die Breite als in die Höhe. Und wirklich, in den Vororten sieht es sehr gemütlich aus und ich fange wieder an, Ladenschilder zu lesen, die fast auf Augenhöhe an mir vorbeihuschen. Ich muss wohl eines laut gelesen haben: „Family Butcher“, so dass sich Irmgard zu der Bemerkung: „Hier kann man ganze Familien schlachten.“, hinreißen lässt.
Aber jetzt mal ernsthaft. Der Bus folgt ein Stückchen dem Royal Kanal, auf dem irisches Getreide nach England verschifft wurde. Dann werden wir auf einen historischen Friedhof hingewiesen, auf dem Daniel O`Connell begraben ist. Dieser Name taucht wiederholt auf und wenn Irland noch keinen Nationalheiligen gehabt hätte, wäre er wohl ein Anwärter gewesen. Er bündelt Anfang des19.Jh. die katholischen Interessen. „Er hatte dieser Nation eine neue Art der Politik geschenkt – populistisch, pragmatisch, bewandert in den „schwarzen Künsten“ -, auf die sie sich mit Begeisterung stürzte. Zum ersten Mal mobilisierte jemand die katholische, aber unterdrückte Mehrheit für friedliche politische Ziele.
Als wir an Sportanlagen vorbeifahren, erzählt uns Jutta von den nationalen Sportarten Fußball, Rugby und Hurling, vor allem letztere werde besonders hoch gehalten, da sie noch auf keltische Traditionen zurückgeführt wird. Die Regeln, wie der Ball mit dem Stock zu schlagen sei, wären aber für Außenstehende derart kompliziert, dass sie uns das ersparen wolle.
Die Stadt wird durch den Fluss Liffey geteilt, wobei sich die Reichen und Schönen die Südseite vorbehalten haben, was man den Häusern auch noch heute ansieht. Dann fahren wir an einer großen Grünanlage vorbei, dem „Garden of remember“, in dem allen Iren, die für die Freiheit gestorben sind, gedacht wird. Wir waren nicht dort, aber den historischen Ereignissen zufolge, die Irland geprägt haben, muss er ziemlich voll sein. Dann eine Geburtsklinik, die deshalb Erwähnung findet, weil sie die erste in Europa war. Bei der bis heute hohen Geburtenrate eine logische Einrichtung. Gebaut von einem deutschen Architekten Richard Kassel im englischen Auftrag.
Dann biegt der Bus in die O` Connell – Street ein, die Repräsentationsstraße in Dublin, die hauptstädtisches Flair verströmt. Breit und mit imposanten Bauten gesäumt. So sieht das Hauptpostamt eher wie ein griechischer Tempel aus, hat aber eine traurige Berühmtheit erreicht, als 1916 während des Osteraufstandes auf dem Dach die irische Trikolore gehisst wurde und Patrick Pearse vor dem Hauptportal die Proklamation der Republik verlas. Großbritannien rächte sich. Es ließ ein Kanonenboot den Fluss hinauffahren, zerschoss Teile der Innenstadt und ließ 16 der Führer des Aufstandes hinrichten. Aus britischer Perspektive war es nur folgerichtig, befand man sich doch in einem tödlichen Krieg mit Deutschland, das von den Iren um Hilfe gebeten worden war. Aber es war eine unkluge Entscheidung. Schuf man doch dadurch erneut Märtyrer und schwächte die eigene Legitimität britischer Herrschaft.

DublinLiffeyO-Connell
Dann das Theater, das von William Butler Yeats gegründet wurde, um ein Forum für irische Theaterkunst zu schaffen. Irische Dichter haben es zu Weltruhm gebracht, aber kaum einer ist seiner Heimat treu geblieben. Zu prüde ging es in diesem Land zu, das sich sklavisch an den katholischen Moralkodex hielt und bis vor etwa 20 Jahren gehalten hat; James Joyce z. B. ging in die Schweiz, George Bernhard Shaw nach England. Über letzteren flicht unsere Reiseführerin eine Anekdote ein: Eines Tages soll Shaw Winston Churchill zwei Karten für sein nächstes Stück geschickt haben, mit der Bemerkung, dass die zweite für einen Freund sei, -falls er einen hätte. Churchill habe geantwortet, dass er keine Zeit hätte, er aber gern die zweite Vorstellung besuchen würde, falls es noch eine gäbe.
Mitten durch die O`Connell- Street verläuft ein breiter Fußgängerstreifen, auf dem in Abständen bronzene und steinerne Denkmäler stehen, alles würdige Herren, von denen ich im Vorbeifahren nicht einen identifizieren konnte. Am Ende ragt das neuste Kunstwerk in den Himmel, ein 1,5 Millionen Euro teures Monument aus Edelstahl in Form einer riesigen Nadel, von den Hauptstädtern nicht besonders geliebt. Lieben dagegen tun die Iren ihre Brücken über den von Gezeiten abhängigen Liffey. Sie stammen aus unterschiedlichen Zeiten, sind aus Gusseisen oder Stein, bekommen Namen irischer Dichter und die neueste ist geformt wie eine Harfe, dem irischen Nationalsymbol, das noch an die Zeit der keltischen Barden erinnert.
Ein Fabrikgebäude sieht aus wie ein venezianischer Palast, auf dem die Geschichte der Seifenherstellung in einem Relief dargestellt ist
Das Gerichtsgebäude ist im klassizistischen Stil errichtet und Blindfenster wurden als ein Geniestreich des Architekten gefeiert, weil die Steuer nach Anzahl der Fenster entrichtet werden musste. Übrigens hat Irland ein Gerichtssystem, das die Jurypflicht aller Bürger enthält.
Dann weist sie uns auf verschiedene Örtlichkeiten hin, u. a. einige Lokale, die Stationen des Protagonisten in dem Roman „Ulysses“ von Joyce sind. Diesem Weg folgen an einem Tag im Jahr Literaturprofessoren und andere Gäste, die dann am Abend nicht nur trunken vom literarischen Konsum sind.
Unser erster Halt liegt im Volkspark, „the people garden“, Er ist die größte Grünanlage in Dublin mit einer 17 km langen Parkmauer. Ein Obelisk ehrt den Duke of Wellington, den die Iren allerdings nicht sehr mögen, hat er doch dem Feind England zu dem Sieg bei Waterloo verholfen. Ein riesiges Kreuz erinnert an den Besuch Papst Johannes Paul II., der 1979 nach 6 Wochen seiner Amtseinführung eine Messe mit über einer Million begeisterter Anhänger zelebrierte und wie ein Rockstar gefeiert wurde. Die Kinder des nachfolgenden Babybooms bekamen überwiegend die Namen Paul, Johannes und Maria.
Ein Teil des Parks nennt sich Phönix – Park. Der Name ist ein interessantes Beispiel für die Verballhornung gälischer Namen durch die Engländer, die nach ähnlich klingenden Bezeichnungen Umbenennungen vorgenommen und nicht übersetzt haben. Die eigentliche gälische Bezeichnung heißt „klares Wasser“ und hat mit dem Vogel, der sich Feuer selbst erneuert, nichts das geringste zu tun. Heute sind Schilder generell zweisprachig, aber die Bedeutung der Namen auf Grund dieser Praxis unterschiedlich. Seit 2006 ist Gälisch auch EU – Sprache, die Kinder lernen sie von Anfang an in der Schule und jeder Lehrer muss sie perfekt beherrschen.
Wir fahren an Werksanlagen der 250 Jahre alten Guiness – Brauerei entlang. Die Quelle für dieses berühmte Bier hatte der Gründer Arthur Guiness für 900 Jahre im voraus gepachtet, was für kluge Voraussicht und Kenntnis über die Trinkgewohnheiten der Iren spricht. Heute ist es ein multinationaler Konzern.

Neues WahrzeichenJames JoyceDer Papst war hier.
Wir steigen aus dem Bus und besuchen ein Muss jedes Irlandtouristen, die St. Patrick – Kathedrale.
Sie wirkt von außen ganz unprätentiös und schlicht und ist innen vollgestopft mit religiösen und nationalen Denkmälern, was bedeutet, dass sie sowohl Museum als auch Gotteshaus ist. Von Normannen im 11./ 12. Jh. gegründet, wurde sie während der. Kirchenreformation Heinrichs VIII. anglikanisch und ist es bis heute. Im 19. Jh. war sie so baufällig geworden, dass sich der Herr des Bieres, ein Nachkomme des Herrn Guiness, erbarmte und Gelder für die Restaurierung spendierte.
Ins Auge fällt zunächst ein prunkvoller Epitaph des Sir Robert Boyle, der in der Zeit der Restaurationsperiode Charles II. (17. Jh.) durch Landspekulationen Multimillionär wurde. Sein Name ging aber durch seinen Sohn Robert Boyle in die Geschichte ein, der das Verhalten von Gasen studierte und das Boylesche Gesetz formulierte. Damit half er, die Alchemie endgültig von der Chemie zu trennen.
Eher schlicht fällt eine weiße Marmorplakette aus, die zum Gedenken an Carolan, dem letzten Barden, ein Sänger und Geschichtenerzähler, an der Kirchenwand angebracht ist. 1738 gestorben, war er ein Zeitgenosse Händels und hat auch dessen Oratorium „Messias“ in Dublin uraufgeführt.
Der berühmte Schriftsteller Jonathan Swift war Dekan an St. Patrick. Er soll mit seinen satirischen Predigten seinen vornehmen Zuhörern eingeheizt haben. Sein Grab ist durch eine schlichte Messingplatte, die im Boden eingelassen ist, gekennzeichnet. Neben ihm liegt Esther Johnson (Stella), ein Waisenmädchen, dass seit ihrem 8. Lebensjahr in seinem Haus lebte. Sie bleibt bis zu seinem Tod seine Freundin, geheiratet hat er nie, weil er befürchtete, dass seine Anfälle vererbbar wären. Er soll auch unter Tinnitus gelitten haben. Mit seiner Hinterlassenschaft wurde eine psychiatrische Klinik gegründet.
Die Glasfenster im Chor sind den Nationalheiligen Irlands gewidmet. Hier erfahren wir, dass neben Patrick auch noch Colum Cill und die Heilige Bridget, die Maria der Gälen, dazu gehören. Ihr Namenstag ist der 1. Februar, an dem auch die Kelten das Fest des Jahresbeginn feierten, wieder einmal ein Beispiel, wie bei der Missionierung christliches und heidnisches Brauchtum miteinander verwoben wurden.
In der Kirchen hängen erstaunlich viele Fahnen. Zum einen mit Wappen von exklusiven irischen Familien und vor einem Kriegerdenkmal reihen sich Regimentsfahnen von irischen Einheiten in der englischen Armee. Dabei ist auch die irische Trikolore, Grün steht für die Iren, Weiß für den Frieden und Orange erinnert an den Kampf der Oranier gegen die Jakobiten.
Auch der erste irische Präsident hat seinen Gedenkstein. Die Inschriften sind gälisch und sein Titel lautet „Kopf des Volkes“ , also ein Häuptling.
Wir fahren weiter zum Trinity College. Es wurde von Elisabeth I. 1592 auf dem Grund einer alten Abtei gegründet, die ihr Vater im Rahmen der Reformation aufgelöst hatte. Es sollte königstreue Staatsdiener heranbilden. Unterwegs weist Jutta auf einen Polizeiwagen hin und nennt uns die gälische Bezeichnung „garda shikana“ – was Hüter des Lebens heißt.
Wir halten in einer Straße zum Fototermin. Sie ist von georgianischen schön restaurierten Häusern gesäumt, die einmal die Stadthäuser der Wohlabenden waren, die von ihren Landsitzen kamen, um die „season“ zu erleben, was bedeutete Ballsaison, Parlamentseröffnung und andere gesellschaftliche Ereignisse, bei denen man nicht fehlen durfte. Heute sind überwiegend Büros von diversen Gesellschaften, u. a. das Goetheinstitut die Benutzer. Es sind schlichte mehrstöckige Backsteinbauten, die zwei Besonderheiten haben. Die Fenster werden nach oben immer niedriger, um mehr Leichtigkeit zu erreichen und die Türen sind wahre Prachtstücke. Sie heben sich durch Farbe, Gestaltung des Rahmens, Fensterbogen, Türklopfer und anderes Zierwerk von der Schlichtheit der Fassade ab. Da die Iren für alles ein Geschichte zur Erklärung besonderer Gegebenheiten haben, gibt es für die Türgestaltung gleich zwei. Die erste: Die starkfarbigen Türen dienen den Männern als Orientierungshilfe, wenn sie abends vom Pub kommen, wobei man munkelt, dass manche Frauen sie heimlich umstreichen würden - und die andere: Nach dem Tod der Königin Viktoria sollte per Erlass alles ziemlich dunkel gehalten werden – die Iren taten das Gegenteil.

Herz von DublinJonathan SwiftGregorianisches Haus
Der Bus lädt uns aus und wir laufen auf das Gelände des College.
Vor uns liegt der Campus Die große samtweiche Rasenfläche wird umrahmt von einer Allee, auf der Studenten und auch Touristen entlang schlendern. Die Bänke sind belegt von jungem Volk, dass vor aufgeschlagenen Heftern sitzt, herumalbert oder die Herbstsonne genießt. Vor dem Eingang der Berkeley Library steht eine beeindruckende Plastik. Eine übermannsgroße Weltkugel, die aufgebrochen ist und in ihrem Inneren neues Chaos gebiert. In ihrem glänzenden Metall spiegeln sich die umliegenden Gebäude. Dann gehen wir in die Räume, in denen das Book of Kells ausgestellt wird. Es ist eines der 200 000 alten Bücher, die die Bibliothek „Old Library“ beherbergt und das berühmteste. Es wurde vor mehr als 1000 Jahren von irischen Mönchen geschrieben und zeigt neben den Illustrationen, die sich auf die vier Evangelien beziehen, eine überbordende Phantasie der Zeichner. In den abgedunkelten Räumen werden neben Vergrößerungen einzelner Seiten, Herstellungsweise der farbigen Pigmente, Besonderheiten der Pergamente usw. gezeigt. Man ist beeindruckt, aber beim Original, das unter einer dicken Glasplatte liegt, hat man Mühe, Details zu erkennen, so fein ziseliert sind Zeichnung und Schrift und außerdem ist es ziemlich dunkel.
Sehr viel länger halten wir uns im Long Room, dem Hauptraum der Old Library, auf.
Es ist eine Kathedrale des Wissens. Man betritt den langgestreckten, von einem hölzernen Tonnengewölbe überspannten Raum und es weht einem der unverwechselbare Geruch entgegen, den altes Papier ausströmt. Auf beiden Seiten erheben sich zweistöckig die Regale, 14 an der Zahl, die nach oben immer schmaler werden und die Bücher immer kleiner. Halsbrecherische Leitern lehnen daran, der Bibliothekar muss wohl schwindelfrei sein. Zwischen den einzelnen Segmenten, die die Regalwände begrenzen, stehen lange Stehpulte, von der Zeit ist das Holz schon schwärzlich geworden. In dem breiten Mittelgang sind Vitrinen aufgestellt und in ihnen sind Bücher und Schriften zur Napoleonischen Ära ausgestellt. Bezeichnenderweise im Spiegel zeitgenössischer Karikaturisten. Da ist ein Blatt von Napoleons Krönung zu sehen mit einer überaus fetten Josephine oder Tayllerand am Schreibtisch, dem ein teuflisches Wesen „seine Inspiration“ ins Ohr flüstert. Rechts und links wird der Gang durch Podeste flankiert, auf denen Büsten berühmter Männer stehen – Swift, Burke, Sokrates, Plato, Bacon, Milton...
Wir finden uns im unvermeidlichen Andenkenshop wieder, aber da all diese vielen Bücher nur englischsprachig sind, bin ich bald wieder draußen. Bei einem kleinen Bummel durch die Einkaufsmeile Dublins entdecken wir die Plastik der Molly Malone, die Kultfigur des Dubliner Volkslebens, von der niemand weiß, ob sie überhaupt gelebt hat. Im prüden Irland wird es wohl ihr überaus großzügiger Ausschnitt gewesen sein, der sie berühmt gemacht hat. Dann laufen wir durch ein viktorianisches Kaufhaus, das den Begriff vom Einkauftempel eindrucksvoll demonstriert. Wir wollen einen Tee trinken und – es gibt keinen. Das hätte ich nicht erwartet. So bleibt es bei Kaffee und Kuchen. Der Abschluss des Tages bildet ein Besuch im Pub. Es ist ein typisches Ambiente – dunkel, laut und voll. Es gibt Irish Stew, etwas, was man essen kann. Mein Blick und das Restlicht fallen auf den Tellerrand, wo die Fingerabdrücke sich ein Stelldichein geben, aber ich habe von dem Herumgelaufe Hunger und bis zum nächsten Morgen gibt es nichts mehr. Damit verabschieden wir uns von Dublin.

Book of KellsTrinity CollageMolly Malone


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