Herta MüllerDie Nobelpreisträgerin des Jahres 2009 ist für mich die literarische Entdeckung.
Herta Müller ist für mich die literarische Entdeckung des Jahres 2010. Schon vor ihrem Nobelpreis hatte ich sie wahr genommen, aber mehr nicht. Seit ihrem Nobelpreis stöberte ich tiefer in ihren Schätzen und las „Atemschaukel“. Das Thema wurde jahrzehntelang in Rumänien tot geschwiegen , aber es ist nun mal ein Teil der rumänischen Geschichte, genauer gesagt der deutsch-rumänischen Geschichte, denn zwischen 17 und 45 mussten noch im Jahre 1945 viele Deutsche in die Sowjetunion Zwangsarbeit leisten. Selbstverständlich ging es da nicht zimperlich zu, viele Tote sind zu beklagen. Direkte Vergleiche zu deutschen Konzentrationslager sind aber falsch, die Lager waren aber kein Zuckerschlecken, erschossen konnte man auch werden, erfrieren so und so, aber vor allem der Hunger dezimierte die Reihen der Rumänien-Deutsche. Voller kraftvoller Poesie beschriebt sie krasse Situationen in einer einfach zu lesenden Sprache, endlich mal keine Schachtelsätze.

Ihre Wortschöpfungen sind beeindruckend und recht fertigen den Nobelpreis auf jeden Fall. Es war eine HaßFreude es immer weiter zu lesen.
S. 114
„Das Brotgericht verhandelt nicht, es bestraft. Die Nullgrenze kennt keine Paragrafen, sie braucht kein Gesetz. Sie ist eines, weil der Hungerengel auch ein Dieb ist, der das Hirn stiehlt. Die Brotgerechtigkeit hat kein Vor- und kein Nachspiel, sie ist nur Gegenwart. Total durchsichtig und total geheimnisvoll. Auf jeden Fall ist die Brotgerechtigkeit anders gewalttätig als hungerlose Gewalt. Dem Brotgericht kann man nicht kommen mit der gängigen Moral.“
S. 279
„Uns zuliebe wollen wir uns nicht mehr kennen.“
S. 292
„Einmal war ich vom Hunger geplündert und passte nicht mehr zu meinem Seidenschal. Ich wurde wieder erwarten mit neuem Fleisch genährt. Doch gegen das Plündern des Alterns hat noch niemand neues Fleisch erfunden.“
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