Kazimierz Kazimierz ist eine Mischung aus Religion und Kommerz.
Ständig kommen neue Touristenströme die Szeroka herunter und steuern zuerst die Remuh -Synagoge an. Dazu stehen schon früh die Elektro-Fahrzeuge mit den City-Guide für 120 PLN die halbe Stunde für vier Personen und warten auf Kundschaft. Dieser Stadtteil erinnert ein wenig an Leipzig Connewitz. Es ist ein Schmelztiegel der verschiedensten Charaktere, durchsetzt mit mehr oder wenigen Touristen, die das eine oder andere Baudenkmal suchen. Bunte Straßen wechseln sich ab mit noch renovierungsbedürftigen Häusern. Das touristische Leben tobt besonders auf der ul.Szeroka. Noch immer fahren die Buggys auf der Suche nach Touristen. Einkaufen lässt es sich auf der Künstlerstraße Jozefa besonders gut.

Am Abend entfaltet das Viertel seinen ganz eigenen Charme. Kazimierz erwacht in den vielen Restaurants mit Freisitzen. Touristen aus aller Herren Länder landen meist in einem der mit jüdischen Speisen auf der Menükarte stehenden Restaurants. Viele haben Musik auf ihrem Programm. Klezmer der verschiedensten Stilrichtungen. Wir haben eine polnisch-rumänische Zigeuner-Band ins Herz geschlossen. An lauen Sommerabenden gibt es kein Ende in Kazimierz.

Ganz Kazimierz scheint eine einzige Baustelle zu sein, so auch in und vor der Remuh- Synagoge. Alles wird erneuert. Mit Kipa und Eintrittskarte geht es in das kleine Gotteshaus. Wir beiden Deutschen mit Juden aus Übersee. Eine sonderbare, wenn nicht sogar beklemmende Erfahrung. Der Remuh -Friedhof ist ein polnisches Wiederaufbauwerk. Die Klagemauer zeigt vom Zerstörungswillen der Deutschen und vom Wiederherstellungswillen der Juden und Polen. Alles atmet aber Tradition. Die Steine auf den Gräbern, die Zettel mit den Wünschen und das Gebet vor dem Moses-Isserle Grab. Ein ständiges Kommen und Gehen zeigt die ungebrochene Wirkung des Wunsches nach Wunder.

Die als Museum genutzte Alte Synagoge beinhaltet einen großen und mehrere kleine Räume. Im Zentrum des Männergebetsraums steht die nicht zu übersehende Bimah. Deren Ausmaße sind gewaltig. Das Museum zeigt besonders mit Hilfe eines Audioguide eindrucksvoll jüdisches Leben. Originale Gegenstände werden bestens präsentiert und selbst Interaktivität ist gewünscht. Jeder kann in seiner eigenen Sprache die Thora weiter schreiben. Die Sammlung an Leuchtern beeindruckte mich am meisten.
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