LondonLondon hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten.
London in zwei und einer halben Stunde (Mittwoch, 21. 10.)
Am Schluss unserer Reise eine Stadtrundfahrt durch eine Weltmetropole, für die man, um sie etwas kennen zu lernen, wenigstens zwei Wochen und nicht zwei Stunden brauchte. Tröstlich war, dass wir einen Stadtführer erwischt haben, der sein Handwerk beherrscht und es in dieser Zeit fertig bringt, uns die Stadt historisch, architektonisch, soziographisch und alltäglich vorzustellen, alles gewürzt mit einem Schuss Ironie, dass es Freude macht, ihm zuzuhören. Wir fahren während der rush – hour in die Stadt und es dauert etwa eine Stunde, ehe wir am Tower sind. Unterwegs der erste Eindruck . Glaspaläste der Industrie, hohe Bürohäuser – Allianz, Peugot, Sotheby – Namen, die für sich sprechen. Zwischen Bäumen erspähe ich die blauen Zwiebeltürme einer russisch-orthodoxen Kirche.
Am Treffpunkt muss der Bus in einer Tiefgarage parken, die so ungünstig angelegt ist, dass es ewig dauert. Wir laufen ein Stück am Tower entlang, es regnet, aber wir nehmen es gelassen. Die Burg wurde im 11. Jh. von Wilhelm dem Eroberer errichtet und dann folgt die kürzeste Darstellung der Schlacht bei Hastings, die ich je gehört habe. Schon lustig, wenn man bedenkt, dass wir vor einem Jahr auf der anderen Seite des Kanals eine der längsten Darstellung diese Ereignisses betrachtet haben. Aber unser Stadtführer lässt es sich nicht nehmen, die Geschichte noch ein bisschen weiter zurück zu verfolgen. Londinum wird 43. n. Ch. von den Römern erobert .Als deren Weltreich zusammenbricht, wird die Insel von Angeln, Jüten, Friesen und Sachsen besiedelt, vor denen die keltische Bevölkerung nach Wales flüchtet. Es entstehen sieben Königreiche, die ein Edward 967 zu einem vereint, damit ist England geboren. Londinum wird eine zeitlang vernachlässigt. Man gründet im 11. Jahrhundert westlich der Stadt ein Kloster, nachdem man das Sumpfgebiet trocken gelegt hat. Eine Kirche, ein Münster, gehört dazu, also daher der heutige Name Westminster. Dann bauen reiche Kaufleute und Adlige zwischen dem Gelände des alten Londinum und Westminster, so entstand der alte Stadtkern.
London hat 7,5 Millionen Einwohner, wovon 1,1 ;Millionen nicht in England geboren sind, 50 % der Schüler haben Englisch nicht als Muttersprache. Die Stadt erstreckt sich auf einer Fläche von 40 mal 40 km und ist in 33 Verwaltungsbezirke eingeteilt.
Die City of London, das Geschäfts -und Bankenviertel, erstreckt sich auf 2,5 Quadratkilometer und hat 7000 Einwohner, allerdings arbeiten 300 000 hier. Die
27 000 Taxis müssen alle für Rollstuhlfahrer zugänglich sein und sehr, sehr viele Bewohner besitzen Ermäßigungen für Busfahrscheine – genug der Zahlen.
Unser Bus hat sich in der Zwischenzeit wieder aus der engen Garage gequält und wir durchfahren Londons Straßen und Plätze und hören die seltsam vertrauten Namen. Die prachtvollen und gediegenen Fassaden des Empire lassen grüßen: das Kaufhaus Harrod mit den grünen Markisen vor den Schaufenstern und der Jugendstilornamentik, die Klubs, die zum großen Teil jetzt auch Frauen die Mitgliedschaft erlauben. Die Wohnungen in diesen Häusern sind sehr klein und ziemlich teuer, aber unser Führer preist die milde Witterung, so dass Grünpflanzen die ganze Zeit über draußen stehen könnten, da sie in der Wohnung sowieso keinen Platz hätten.
Dann Trafalger square, der berühmte Platz zu Ehren des Admiral Nelson und seines Sieges über Napoleon. Die gewaltigen Löwen wurden aus den erbeuteten französischen Kanonen gegossen. Auf dem Rücken des einen hat jemand seine Coladose abgestellt, wodurch das Tier schon weniger ehrfurchtgebietend aussieht. Vor der Siegessäule das Standbild Karl I., an dem alle Könige vorbeifahren müssen, wenn sie zu Schloss Windsor wollen. Als ständige Erinnerung, was mit Königen passieren kann, wenn sie gegen das Volk regieren, bemerkt süffisant unser Begleiter. Nun, den Kopf wird es wohl nicht gleich kosten, obwohl es auch heute immer wieder Bestrebungen gab, die Monarchie abzuschaffen. Wir fahren eine Nebenstrasse lang, weil es da den besten touristischen Blick auf St. Paul Cathedrale gibt und wir aussteigen können. Vor der Kirche die Statue von Königin Anna. Sie war eine sehr populäre Königin und die letzte aus dem Hause Stuart. Als sie 1714 kinderlos starb, ging die Herrschaft auf das Haus Hannover über. Man sagte von ihr, dass sie „ein Fels des Protestantismus“ gewesen sei, vielleicht daher der Platz vor dieser anglikanischen Kathedrale. An dieser Stelle wird auch von diesem Stadtführer betont, dass sich die anglikanische Liturgie gar nicht so sehr von der römisch-katholischen unterscheiden würde, mit schon bekannten Ausnahmen: es gibt kein Zölibat, Frauen werden als Priester zugelassen und keine Kirchensteuer wird erhoben. Das sind, finde ich, schon fundamentale Unterschiede.
Wir fahren durch Soho, ein Viertel, dem die Aura des Verderbten anhaftet, was auch im 19. Jh. zugetroffen hat, als es ziemlich heruntergekommen war und arme Leute, wie zum Beispiel Karl Marx dort wohnten. Heute ist es eher ein Tourismusviertel. Der Name soll von einem Jagdruf herrühren, denn dort lagen die königlichen Wälder.
Wir sehen ein kleines Schloss, das einst Heinrich VIII. bewohnt hat, der mit den sechs Frauen. Heute sind darin Wohnungen für Mitglieder der königlichen Familie oder Beamte des Königshauses.
Am Gelände des Greenpark erzählt uns der Reiseführer eine kleine Anekdote über Charles II, dem man 19 uneheliche Kinder andichtet. Seine rechtmäßige Ehefrau habe verboten, Blumenbeete anzulegen, weil er sich erlaubte, sich dort mit Buketts für seine jeweilige Geliebte zu versorgen.
Eine Viertelstunde haben wir Zeit, uns den Buckinghampalast anzusehen. Eine Menschentraube steht vor dem verzierten Gitter, denn es ist gerade Wachablösung. Aber diesmal haben Soldaten Dienst, deren Köpfe nicht mit den Bärenfellmützen geschmückt sind und sie sind auch weit weg und verlieren sich auf dem großen Platz vor dem Schloss. Obwohl die Mauern Stacheldraht bewehrt sind, stehen vor anderen Eingängen weitere Bewacher in schwarzen Uniformen, die Queen wird sehr beschützt. In Anbetracht der Rolle, die Großbritannien in der aktuellen Politik spielt sicher keine übertriebene Sicherheitsmaßnahme. Schnell ein Foto durch das Gitter und das Denkmal der Königin Viktoria von der Seite - wird schon werden. Letztere ist immer noch Rekordhalter, was die Jahre des Regierens betrifft (64 Jahre), dann kommt Henry II. im 13. Jh. und die dritte ist Elisabeth II.
Wir fahren noch an die Stelle, von wo man am besten das Parlamentsgebäude sehen kann und Big Ben, den berühmten 96 m hohen Turm mit einer 13 Tonnen schweren Glocke.
Während wir durch die Straßen gefahren sind, hat uns unser Stadtführer auf einige der vielen Standbilder hingewiesen, von denen es in der Stadt unglaublich viele gibt. Manche scheinen zu Recht dazustehen, wie Florence Nightingale, die Frau, die im Krimkrieg vielen Soldaten das Leben gerettet hat oder ein Denkmal, dass an die Abschaffung des Sklavenhandels erinnert, eine andere Plastik, die von „Bomberharry“, dem General, der den Luftangriff auf Dresden befohlen hat, ist schon umstrittener.
Manches ist mir gewiss entgangen, vielleicht weil ich gerade mal auf der falschen Seite saß oder durch anderes abgelenkt wurde, zum Beispiel durch den Anblick des Kaiserliche Kriegsmuseums, das sich kaiserlich nennt, weil britische Könige auch Kaiser von Indien waren. Zum Abschied betont unser Stadtführer noch einmal englische Eigenart: England wurde während der Eiszeit vom Festland abgetrennt, dann gab es lange Jahre Nebel und als er sich lichtete, merkten wir erstaunt, dass alle anderen rechts fuhren.

Heimreise und Resume ( Donnerstag, 22. 10.)Die erste Etappe haben wir schon gestern hinter uns gebracht. Bis Dover regnet es. Auf der Fähre nach Calais geht auch alles gut und die berühmten Kreidefelsen wirken ganz grau durch den Regenschleier. Bis Lille bleibt es so. Von der Zwischenübernachtung ist eigentlich nur erwähnenswert, dass es zur großen Freude unserer Reisegruppe beim Abendbrot zum Nachtisch Windbeutelchen gab. Die armen Kellner konnten sich diesen Aufschrei des „Entzückens“ gar nicht erklären. Hatten wir doch in Irland diese Speise bis zum Überdruss, so dass wir Irland schon zum Land der Windbeutel, kulinarisch gesehen, deklariert haben.
Dann fährt unser Bus der Heimat entgegen. Von Franreich, ein kurzes Stück durch Belgien und die Niederlande, über Kassel, Göttingen, Sangershausen, Halle . und in Leipzig steigen die ersten aus.
Man beginnt sich auf Gewohntes zu Hause zu freuen: ruhige Nächte mit fester Schlafunterlage, kein Problem mehr, die Dusche um Funktionieren zu bringen, ohne einen Schwall kalten Wassers abzubekommen, der nächtliche Orientierungslauf zum Bad kann auch wieder problemlos verlaufen, keine abendlichen Drei – Gänge – Menüs, so dass das Verdauungssystem in die Erholungsphase treten kann. Aber das alles zählt nicht, wir sind in Irland gewesen und das war gut so.
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