Saale-RadwegDer Saale-Radweg verbindet Thüringen mit Sachsen-Anhalt.
Von der Quelle bis RudolphsteinDer 54 Kilometer lange Abschnitt des Saale- Radweges in Franken hatte alles zu bieten, was eine Radwanderung attraktiv, aber auch anstrengend macht. Flache Abschnitte wechselten mit kurzen heftigen und langen stetig steigenden Bergen. Rasante Talfahrten mit bis zu 40 Kmh wechselten mit langsames Berghochschieben. 545 Meter Höhe müssen erst mal bewältigt werden. Der Radweg wurde den örtlichen Gegebenheiten angepasst, das heißt es gibt zwar eine durchgängige sehr gute Beschilderung, aber ein flüssiges Fahren wird durch die unterschiedlichen Beläge verhindert. Stellenweise ist der Radweg entweder durch schottrigen Untergrund, durch unvorhersehbare Richtungswechsel oder das Überqueren der Hauptverkehrsstraße gefährlich. Auf dem Abschnitt begegneten uns auch nur wenige Radfahrer. Ausflugsgaststätten gab es wenige, nur Hof bietet eine ausreichende Gaststättenauswahl an.

Der Abschnitt Naumburg- Saaleck ist ein kurzer Abschnitt mit zwei völlig verschiedenen Gesichtern. Fährt man von Naumburg im Tale der Saale so geht es recht flott und ohne große Komplikationen in Richtung Bad Kösen und später zu den beiden Burgen Saaleck und Rudelsburg. Sehr gut ausgeschildert und auch sehr gut ausgebaut gibt es keine großen Probleme. Will man aber auf die Burgen, so braucht man schon eine Lunge wie ein Pferd. Der Anstieg ist kurz und heftig. Da die Rudelsburg bewirtschaftet wird, zischt bei warmem Wetter das Radler nur so die Kehle hinab.
Die Rückkehr nach Naumburg ist eine “Schussfahrt nach San Remo“, so steil geht es abwärts. Der Abstecher nach Schulpforta findet dann auf der Fernverkehrsstraße samt Autos statt. Am eindrucksvollsten sind jedoch die geöffneten Straußen- und Besenwirtschaften. Eine Weißweinschorle ist nirgends zu verachten.

Kurz nach der Verlegung des 1128 gegründeten Zisterzienser-Klosters an den heutigen Ort begann 1137 der Bau von Kirche und Kloster. Die romanische Basilika in Kreuzform hatte an den Querschiffarmen je zwei gestaffelte Nebenapsiden, im Langhaus wechselten Pfeiler und Säulen. Zu erkennen sind noch die romanischen Obergadenfenster, die unterschiedliche Kämpferhöhe entstand. Etwa gleichzeitig mit dem Naumburger Dom errichtet, verdeutlichen sich in Schulpforta stilistische Ähnlichkeiten auch in den Bildwerken mit dem Dombau. Das bemalte große eichene Triumphkreuz gehörte wohl bereits zur Ausstattung des Baues des 13. Jahrhunderts. Die Abtskapelle im Ostflügel der Klausur errichtete um 1230 in spätromanischen Formen ein wohl aus der Maulbronner Zisterzienser-Bauhütte kommender Meister. Er prägte ihre Architektur durch die gewirtelten Säulen und den reichen Kapitellschmuck. Nach der Säkularisierung 1544 wurde im Kloster eine Fürstenschule eingerichtet. Berühmte Schüler waren z.B. Friedrich Nietzsche oder Friedrich Gottlieb Klopstock
„Die Landesschule Pforta ist ein Internatsgymnasium in Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt mit einem besonderen Konzept zur Begabtenförderung in den Bereichen Sprachen, Musik und Naturwissenschaften.“ Weitere Infos unter
Landesschule

Der Radweg entlang der Saale ist bestens ausgebaut, gut ausgeschildert und reich an Sehenswürdigkeiten. Die touristische Infrastruktur unterstützt kurze, aber auch Tagestouren.
Die meistens flache Strecke hat auch viele Möglichkeiten nach links oder rechts abzubiegen und interessante Details zu entdecken. An manchen Stellen ist der Radweg recht schmal.
Der Bodenbelag und die Fahrbahnbreite werden immer radfahrerfreundlicher.
Die separate Radwegtrasse begegnet nur selten großen Straßen. Der Saale-Radweg ist auf der gesamten Länge etwas für Genussradler. Flach bis leicht hügelig sind die rund 100 Kilometer leicht an zwei Tagen zu bewältigen. Die Sicherheit ist stets gegeben, obwohl es an manchen Abschnitten recht eng werden kann durch das vermehrte Aufkommen von Radlern und Fußgängern. Der Saale-Radweg ist ein eindeutiger Name und konsequent ausgewiesen. Die Routenführung folgt dem Fluss mal näher mal weiter entfernt.
Die Verkehrsbelastung ist nur in den Städten Weißenfels, Merseburg und Halle an einigen Stellen ein Problem. Die touristische Infrastruktur lädt an vielen Stellen zu Besuchen ein, z.B. in das Stadtschloss zu Merseburg. Die Anbindung an öffentlichen Verkehrsmitteln ist in diesem Abschnitt kein Problem. Fahrradfreundliche Beherbergung- und Gastronomiebetriebe werden auch an der Saale einmal weniger und einmal mehr. Kleine Imbissstände mit sehr kleinen Preisen und direkt am Radweg gelegen, lassen das Radlerherz höher schlagen. Die Beherbergung kann schon zum Geduldsspiel werden, viele Beherbergungsbetriebe haben Radlergeld nicht mehr nötig.

Der Dom zu Merseburg ist eine geschichtliche und kulturhistorische Augenweide. 1015 unter Thietmar von Merseburg begonnen, wie viele Kirchenbauten immer wieder ergänzt und umgebaut, erlebte der Dom alle kunsthistorischen Baustile. Diese lassen sich heute auch im Dom schön wieder finden. Klausur, Kreuzgang, ergänzt von einem schönen Denkmal von Thietmar von Merseburg, und das Kapitellhaus erweitern das Sehenswerte. Kruzifix, Altar, Taufstein, Chorgestühl und die Merseburger Zaubersprüche sind nur die wichtigsten Dinge, die der Besucher sich anschauen sollte.

Friedrich Nietzsche in RöckenIn Röcken nahe Lützen unweit von Merseburg gelegen befinden sich Geburtshaus, Taufkirche, Gedenkausstellung und Grab Friedrich Nietzsches. Bemerkenswert sind in der Kirche der Kanzelalter und die romanischen pfeiler mit Palmettenornament. Mit viel Engagement wird man durch die Kirche geführt, das Denkmal und das Grab erklärt. Abgerundet wird das unmittelbare Nietzsche-Erlebnis durch ein neues Denkmal. Bedauerlicherweise droht Gefahr durch den Wunsch der Mibrag, darunter liegende Braunkohle abzubaggern.
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