Südirland ist mehr als Adare und Rock of Cashel.





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Südirland

Südirland ist mehr als Adare und Rock of Cashel.


Südirland

Von einem gepflegten Dorf und einem aufgegebenen Burgberg Montag, 19. 10.

Heute ist der letzte große Besichtigungstag in Irland. Am Ende des Tages wird sich auch unsere Reisebegleiterin verabschieden. Zunächst wird noch eine kleine Programmänderung angekündigt: am Vormittag der Besuch einer Lachsräucherei. Auch wenn mir nicht so flau im Magen gewesen wäre, trotz Magentropfen, bliebe es ein Flop, der einzige auf dieser Reise. Wir bekommen eigentlich nichts zu sehen. Kein Fisch wird geräuchert, die Regale sind leer, nur in einer Verkaufstheke liegen einsam ein paar eingeschweißte Fischscheiben . Wir stehen herum wie bestellt und nicht abgeholt und unwillige, leise geäußerte Stimmen werden laut. Die Kostproben bleiben zum Teil liegen und auf den Film, der in der Gaststätte läuft, hat auch keiner Lust.
Deshalb fahren wir dann auch zum Glück schnell weiter.
Unser nächster Halt ist Adare, eines der bestgepflegtesten Orte der Insel, der seit 300 Jahren im Besitz des Earls of Dunraven ist. Im 18. Jh. lässt der dritte Earl für seine Pächter, die aus der Pfalz übergesiedelt waren, ein Musterdorf errichten, das mit seinen strohgedeckten, tief heruntergezogenen Dächern von ihren Besitzern liebevoll gepflegt wird und durch sein Puppenstubenflair heute zu einer Touristenattraktion geworden ist.
Das Schloss des Earls ist ein Luxushotel geworden. Eine alte Kirche, die einmal zum Kloster des Trinitarierordens gehörte, wird kurz gestreift. Interessant ist, dass dieser Orden sich zur Aufgabe gemacht hatte, Christen, die während der Kreuzzüge gefangen genommen wurden, wieder frei zu kaufen.
Wir streifen Limerick, die Stadt, die durch zwei Dinge ins allgemeine Bewusstsein gerückt ist. Im vorigen Jahrhundert bildete sich eine kleine Dichterschule, die keltische Traditionen pflegen wollte und alte Dichtungen aus der Vergessenheit holte. Dabei entstand das alte Reimschema (aa, bb, a ), das dann auch zu den oft lustigen Reimereien führte, die in die Literatur als Limericks eingegangen sind.
zum Beispiel:
Ein Denker verdiente sein Brot
mit der These, das Leben sei Tod.
Ein anderer lehrte eben,
der Tod wäre Leben.
Auch der lebt nicht gerade in Not.

Und da wir ohnehin nichts Besseres zu tun haben, beginnen einige Businsassen ebenfalls zu dichten. Die Produkte sind aber so geartet, dass man sie nicht unbedingt in die Literatur aufnehmen muss. Nach dem Dichten kommt das Singen, als wir auf der Höhe von Tipperary sind. Da die meisten anscheinend besser dichten als singen können und auch keiner den Text kann, legt Jutta ein Solo hin: Is a long way to Tipperary. Frenetischer Beifall ist ihr Lohn.
Limerick ist allerdings in jüngerer Zeit durch das Buch von Frank McCourt „Die Asche meiner Mutter“ zu einer Berühmtheit gelangt, die den Stadtväter nicht besonders gut gefällt. Entwirft er doch ein trostloses Szenarium von Elend, Schmutz und Armut am Anfang des 20. Jh. Obwohl die Stadt auch noch heute ein sozialer Brennpunkt ist, gibt es doch auch „normale“ Viertel, so jedenfalls Jutta.

AdareSüdirlandRomantik

Rock of Cashel

Dann sind wir in Cashel, einem Ort, der durch seinen Burgberg, der sich 60 Meter aus der Ebene emporhebt, berühmt geworden ist. The Rock of Cashel ist für die Iren ein legendärer und geschichtsträchtiger Ort.
In grauer Vorzeit soll er der Schlaffelsen der Feen gewesen sein. Jahrhunderte lang war er der Sitz der keltischen Könige von Munster. Hier soll es auch geschehen sein, dass der heilige Patrick mit Hilfe des Kleeblatts und eifriger Dispute den keltischen Hochkönig Aengus zum Christentum bekehrt hat. Von der Zeremonie ist eine kleine Geschichte überliefert. Bei der Taufe soll Patrick versehentlich den Krummstab in den Fuß des Königs gerammt haben. Dieser habe nicht mit der Wimper gezuckt, weil er glaubte, dass es zu Zeremonie gehöre, auf diese Weise sozusagen die Leiden Christi „fußnah“ zu erleben. Der keltische König schenkt der Kirche den Felsen und der Ort wird im 13. Jahrhundert zu einem Erzbistum. Man errichtet kurz nach der Bekehrung eine Kathedrale, die Cormac`s Chapel, die einer der ersten romanischen Bauten in Irland ist. Von ihren vielgerühmten Steinreliefs konnte man nicht viel sehen, da wegen Restaurierungsarbeiten alles abgesperrt war. An diese ältere Kirche schließt sich eine gotische Kathedrale an, als würdige Stätte für den Bischof. Im 18. Jh. wird der Felsen samt Kirchen aufgegeben. Ich vermute mal, den Herrschaften wird er zu windig geworden sein, denn auch bei unserem Aufenthalt pfeift es ungemütlich. In der Kirche findet man wenig Schutz, denn man hat alles mitgenommen, was irgendwie transportabel war. Sogar das Bleidach wurde zu Geld gemacht. Nun rettet man, was noch übrig ist. Ein gewaltiger Innenraum, der zum Teil voller Gerüste steht, bietet noch eine schwache Vorstellung einstiger Pracht. Ein alter Steinsarkophag in einer Ecke war wohl zu schwer zum Schleppen. Das Langschiff ist für die Gesamtproportionen ungewöhnlich kurz, aber da hat ein Bischof für seine Privatgemächer etwas abgezweigt, erklärt uns Jutta. Vor der Kirche liegt ein großer Stein, auf dem ein Kreuz zu Ehren des heiligen Patrick errichtet ist, davor, so vermutet man, war es wohl der Krönungsstein keltischer Könige.
Wir schauen noch in das Chorherrenhaus hinein, das eine Decke hat; so zieht es nicht so, und eine Einrichtung, die der mittelalterlichen Zeit nachempfunden ist.
Ein großer Findling auf dem Gelände des Friedhofs hat die irische Phantasie zu einer netten Geschichte beflügelt. Genau gegenüber, aber meilenweit entfernt, liegt ein Gebirgskamm, der ein Lücke aufweist, in die, allen Gesetzen der Physik zum Trotz, das Felsstück hineinpasst. Die Sage erzählt, dass der Teufel vor Wut, weil er die Iren nicht dran gekriegt hat, ein Stück Gebirge abgebissen und es auf dem Rock of Cashel gespuckt hat. Das war die letzte irische Geschichte und es kommen auch keine mehr nach, bis wir in Waterford sind.

MöncheMeißen-TouristRock of Cashel

Irische See

Wasser hat doch Balken Dienstag, 20. 10.

Ein recht ereignisloser Tag stand uns bevor, als wir gegen 7Uhr losfahren zum Hafen in Rosslare, um mit der Fähre nach Fishguard überzusetzen. Es gießt in Strömen. So sehr, dass es die Scheibenwischer kaum schaffen, klare Sicht herzustellen.
Als wir auf der Fähre sind, will ich mir die Zeit gemütlich machen und meinen Irlandkrimi weiterlesen. Aber auf hoher See wird diese rau. Die Fähre stampft und rollt, es holpert wie auf Kopfsteinpflaster und in kurzer Zeit entschließt sich mein Magen mit zu machen. Die Signale an das Hirn lauten: ausschütten. Und so ist es passiert, dass ich das erste Mal seit Kindheitstagen mein Innerstes nach außen kehre. Im Nachhinein erzählt mir jemand, man soll nicht lesen, wenn man auf unruhigem Wasser ist. Der Rat war neu und kam zu spät. Ob er medizinisch fundiert ist oder ob sich nur mein angeknackstes Verdauungssystem Luft gemacht hat, wer weiß!
In Wales regnet es weiter und erst in London lässt es nach. Unser Hotel liegt am Flugplatz, doch die Fenster lassen sich gar nicht erst öffnen. Unsere Bleibe ist ziemlich neu und die Waschschüssel im Bad ist futuristisch geformt.

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