Hannelore Duwe führte ein Tagebuch und Familie Schmidt hat fotografiert.





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Reisetagebuch

Hannelore Duwe hat wieder Tagebuch geführt und Famile Michaela und Gundolf Schmidt hat fotografiert.


Frankreich Von Hannelore Duwe

Entree
Also in diesem Jahr Frankreich, besser gesagt Ile-de-France, Bretagne und Normandie, so in etwa. Rund 4400 km in zehn Tagen. Das ist das Widersprüchliche bei solchen Reisen. Zum einen legt man täglich diese Strecken zurück um die kulturellen Denkmale zu sehen, zum anderen wünscht man sich bei jedem Ort genügend Zeit zum Verweilen und geruhsamen Betrachten. So muss man zu Hause aufarbeiten, was man vor Ort nur geschluckt, aber nicht verdaut hat.


Unsere Reisegesellschaft
Wieder unterwegs
Da geht es lang
Meißen-Tourist
Stammgäste
4400 Kilometer waren es

Ein flächiger Tag Sonnabend, 18. Oktober 2008

Diesmal fahren wir gegen 1 Uhr nachts von Riesa los. Der Bus kommt etwas verspätet, da er auf uns am Bahnhof gewartet hat und wir auf ihn am Käferberg. Den größten Teil der restlichen Nacht habe ich im Halbschlaf zugebracht, wobei jeder Körperteil für sich probiert einzuschlafen. Da mir die Koordinierung einfach nicht gelingen will, sehe ich auf die vorbeirauschende Landschaft. Es soll ein schöner Herbsttag werden, aber noch wabern Nebelbänke über der Autobahn. Sonst bleibt alles flach. Und ich hätte wohl den „Grenzübertritt“ verpasst, wenn nicht der Fahrer es verkündet hätte, denn der Charakter der Landschaft ändert sich kaum. Nur einmal bekommt das Auge etwas Kontrast geboten, als wir die Ausläufer der Vogesen durchqueren. Die verschwinden allerdings schnell hinter dicken Wolken und Dunst. Das bleibt auch so, als der Fahrer sagt, dass wir Metz (Hauptstadt von Lothringen) „großräumig umfahren“. Vergeblich versuche ich die Silhouette der Stadt zu erspähen. Die Aussicht bleibt weiter außerordentlich unspektakulär. Wahrscheinlich um dem Autofahrer Abwechslung zu bieten, reihen sich in Abständen geometrische Objekte in Regenbogenfarben an den Straßenrändern. Als die bis an den Horizont reichenden flachen Felder gar nicht aufhören wollen, biegt der Bus von der Autobahn ab.



Friedhof
Verdun
Unterwegs
Johanna von Orleans
Kathedrale von Reims
Andacht
Wir fahren auf kurvenreichen Landstraßen und besichtigen französische Landwirtschaft. Aber es ist eine Gegend, die am Anfang des 20. Jahrhunderts für tragische Schlagzeilen sorgte. Wir fahren nach Verdun. Wofür dieser Name steht, weiß wohl jeder halbwegs historisch gebildeter Mensch. Wir sind die einzigen, die zu dieser Stunde über die weiten Anlagen der Gedenkstätte laufen. Das Museum ist geschlossen und auf dieser still im herbstlichen Sonnenlicht liegende Anlage erinnert nichts mehr an die grauenhaften Ereignisse, die in einem sinnlosen Grabenkrieg so vielen Menschen das Leben gekostet haben.
Unser nächster Zwischenstopp weckt erfreulichere Gedanken. Reims. Natürlich nur die Kathedrale, die Krönungskirche der französischen Könige, für mehr ist keine Zeit.
Obwohl ein gewaltiger Bau, bin ich überrascht, denn nach den Abbildungen hatte ich mir die Kathedrale höher vorgestellt. Das liegt vielleicht an den Türmen ohne Spitzen, die man von der deutschen Gotik gewohnt ist. Nebenbei gesagt haben die ihre Turmspitzen auch manchmal erst im 19 Jh. bekommen. Der Innenraum besticht durch die klare Gliederung der gotischen Formen und erscheint mir ziemlich düster. Er brauchte mal eine Renovierung. Vielleicht sollte man doch Eintrittsgelder nehmen. Aber das scheint mit der strikten Trennung von Kirche und Staat zusammenzuhängen, die aus den Zeiten der Französischen Revolution herrührt. Dem Staat gehört der Bau, die Kirche nutzt ihn. Wie auch bei anderen Besichtigungen erwähnt wird, führt das zu manchen Irritationen.
Am Rande des Domplatzes steht eine kleine Bronzeplastik der Jungfrau von Orleans. Sie richtet sich in voller Rüstung in den Steigbügeln auf und schaut mit einem unschuldigen Kindergesicht gen Himmel, den Arm mit dem Schwert erhoben. Sie hat ein Recht da zu stehen, schließlich hat sie Karl VII. den Thron verschafft. Ein weiterer Karl, der Zehnte, wurde im 19 Jh. als letzter gekrönt. Als wir von unserer kurzen Besichtigung zurückkommen, haben die Busfahrer einen Willkommenstrunk vorbereitet und auf der Umfassungsmauer des Domgeländes aufgestellt. So gestärkt machen wir uns auf zur letzten Etappe dieses Tages.
Gegen 19 Uhr fahren wir in Paris ein. Das heißt, wir reihen uns in die Blechlawine ein, die sich durch die Vororte in die Stadt wälzt. In einem der Tunnel spiegeln sich die roten Rücklichter der Autos an der glatten Decke und erzeugen flammendrote Farbeffekte. Hoffentlich hat einer den Fotoapparat bei der Hand. Sonst sieht man von der weltberühmten Metropole nicht viel. Wie in allen Städten dieser Welt reihen sich seelenlose Betonklötze in den Vororten aneinander. Das Hotel liegt im XIX. Bezirk La Villette an der Avenue Flandre, ein Multi-Kulti -Ort, wenn man sich die Straßenpassanten ansieht. Wir schlafen nach „hintenraus“, was zwar keine Aussicht, aber eine ruhige Nacht bedeutet.

Nachts in Riesa
Unterwegs in Frankreich
Essen im Bus
Wein in Reims
Zum Wohl
Alle sind fröhlich

Paris – durchfahren und durchlaufen Sonntag,19. Oktober

Stadtrundfahrt.
Wir sehen all die Dinge und die Bauten, die jeder ordentliche Paristourist sich anzuschauen hat. Vorerst führt sich unsere Stadtführerin mit der Mitteilung ein, dass sie vor kurzem überfallen und niedergeschlagen worden ist, woran sie im Augenblick immer noch leidet. Sie hat mein Mitgefühl, das sich allerdings schnell legt, als ich merke, wie beiläufig sie uns die Informationen quasi hinwirft. Zuerst kommen die üblichen Warnungen vor Diebstahl und dass wir uns auf Pariser Verkehrsgewohnheiten einrichten und uns möglichst nicht überfahren lassen sollten. Das Rot und Grün der Verkehrsampeln würde nicht so streng gesehen wie in Deutschland, wo selbst bei leeren Straßen die Fußgänger und Autos ausharren, bis der richtige Farbton erscheint. Sie spricht schnell und leise und ich bekomme nur Fetzen von Informationen mit. Ist auch nicht so schlimm, kann eh jeder nachlesen, denn was über diese Stadt geschrieben wurde, füllt Bücherwände. Mal schauen, was hängen geblieben ist: Paris ist eigentlich ein Dorf, d. h. viele Dörfer, in denen sich die unterschiedlichsten Nationen eingerichtet haben. Es gibt sechs Bahnhöfe. (ein Glück, ich fahre Bus), Restaurants entstanden, weil nach der Revolution viele Köche des Adels einen neuen Job brauchten. Im Glockenturm von Sacre Coeur hängt die schwerste Glocke der Welt. Montmartre hat seinen Namen vielleicht vom 1. Bischof von Paris, der dort geköpft worden sein soll, kann vielleicht aber auch aus dem Keltischen kommen. Die Austerlitzsäule, die sich Napoleon hat errichten lassen, steht da, weil ihm die Trajansäule in Rom so gefallen hat. Das Cafe de la Paix ist berühmt, weil es, wie andere Cafes dieser Art auch, von großen Geistern besucht wurde, das Hotel Ritz ist auch berühmt, weil dort Coco Channel und Hemingway weilten (diesmal hatte ich ein paar Namen erhascht). An einem der Fenster des Justizpalastes ist der Urmeter eingelassen, soll aber nicht mehr hundertprozentig stimmen.
Den Obelisken mit der vergoldeten Spitze auf dem Platz de la Concorde hat nicht Napoleon während seines Ägyptenfeldzuges geklaut, sondern er ist 1861 von einem ägyptischen Potentaten der französischen Regierung geschenkt worden. Die Champs Elysees ist so berühmt, dass sogar Briefkästen angemietet werden, um eine noble Adresse vorzutäuschen. Der Arc de Triumphe entstand zwischen 1806 und 1836 und verewigt Napoleons Siege samt die seiner 586 Generäle. Die Grabplatte für den unbekannten Soldaten darunter wurde 1921 eingeweiht.
Wir unterbrechen den Parcours und steigen aus. Natürlich am Eiffelturm. Er steht vor uns im Gegenlicht, die Sonne ringt noch mit den Dunstschleiern. Die Kameras werden gezückt. Es würde mich doch interessieren, ob einem von uns der ultimative neue Blick auf dieses Wahrzeichen gelungen ist. Der Turm mit und ohne Gruppenbild. Beim Anblick dieser altbekannten Silhouette beschleicht mich zum ersten Mal das Gefühl, wirklich in Paris zu sein. Dieser Moment wird allerdings von Andenkensverkäufern unterbrochen, die vor allem viele kleine Eiffeltürmchen anzubieten haben. Wir fahren weiter. Da wäre noch der Invalidendom, den Ludwig XIV. hat erbauen lassen. Die Baukosten beschaffte er sich, indem er den Soldaten den Sold kürzte. Dort liegt Napoleon in seinen sechs Särgen (, damit er nicht wiederkommt). Neben ihm sein Sohn, der den hochtrabenden Titel König von Rom bekam und der von seiner Mutter, der österreichischen Kaisertochter, von seinem Vater ferngehalten wurde. Nach monatelangem, qualvollem Todeskampf starb er1832 an der Schwindsucht. 1940 hat Hitler ihn überführen lassen. Wir fahren an der Seine entlang, inmitten des sonntäglichen Verkehrs, der allerdings überschaubar bleibt. Dann über die Alexanderbrücke, die anlässlich des Besuches des russischen Zaren Alexander III. (1881-1899) nach ihm benannt wurde. Von ihm nur soviel: er ordnete den Bau der Transsibirischen Eisenbahn an und er muss bei der Erziehung seines Sohnes etwas falsch gemacht haben, denn mit Nikolaus II. endet die Dynastie Romanow.

Arc de Triumpe
Eiffelturm
Einer von vielen Fotografen
Montmartre
Sacre Coer
Im Trubel
Dann vorbei am Elysee-Palast, dem politischen Zentrum Frankreichs, der pikanterweise das Domizil der Madame Pompadour gewesen war. Womit sich alle Klischees über Politik und Liebe in diesem Gebäude manifestiert haben. Dann ein Blick auf den Louvre (Entstehungsgeschichte nachlesen), die Akademie Francaise (hat sich der Pflege der Sprache auf die gelehrten Fahnen geschrieben), die Conciergerie (das letzte Gefängnis der Marie Antoinette), die Sorbonne und, und, und...Irgendwann zwischendurch steigen wir noch mal aus unserem Bus und verlieren uns im Gedränge eines kleinen Marktes, der sich an einer engen Straße hinzieht. Mit Einkaufen ist leider nichts drin, denn die Kochgelegenheit haben wir nicht mit. An einer Ecke hat sich ein Altherrenorchester aufgestellt und findet andächtige Zuhörer. Ein junges Mädchen singt und eine alte, etwas skurril angezogene Dame tanzt selbstbewusst vor sich hin. Fast wie auf Bestellung- ein Blick auf Pariser Alltagsleben. Eine weitere Unterbrechung beschert uns ein Blick auf das Pompidou- Zentrum mit dem Brunnen und den skurrilen Figuren der Nikki de St. Phalle. Der große Mund hängt leider nach unten, dreht sich nicht und statt zu sprudeln, sabbert er nur ein bisschen.
Wir verlassen den Bus um die zweite Hälfte des Tages laufend zuzubringen. Nicht bevor geklärt ist, wo sich die Örtlichkeit befindet, in der wir unser Abendbrot zu uns nehmen werden. Nahe Notre Dame, das wird sich finden lassen. Die Truppe teilt sich in Trüppchen und ich schließe mich der an, die in das Muse de`Orsay will. Es ist ein alter Bahnhof, den man zu einem Museum umfunktioniert hat. Die Räumlichkeiten faszinieren mich, denn die Struktur des Bauwerkes ist innen noch gut zu erkennen. Mit einem Plan in der Hand findet man auch das, was man sucht. Das Museum ist gut besucht, vor dem Eingang eine Schlange, aber es geht ziemlich zügig voran. Ich bin verblüfft, in Dresden kann ich mich nicht erinnern, an einem normalen Sonntag solche Menschenmassen gesehen zu haben. Vielleicht liegt es auch an einer Sonderausstellung, in der Picassowerke zu Adaptionen von Werken Manets zu sehen sind. Sein „Frühstück im Freien“, zu seiner Zeit ein Kunstskandal, hängt auch dort. In diesem Museum finden sich Impressionisten satt – Vorimpressionisten, Nachimpressionisten, Spätimpressionisten. Die Fülle der Bilder bringt mich bald aus dem Konzept. Und bei den Malern von Barbizon verwechsle ich Corot und Millet. Was für eine Schande, ich muss mal wieder Hausaufgaben machen. Trotz vieler Verlockungen halte ich an meinem Museumskonzept fest. Auch wenn die Versuchung groß ist, nur bei einigen Bildern bleibe ich stehen. An den meisten gehe ich vorbei und genieße nur die Atmosphäre. Nach einem Aufenthalt von anderthalb Stunden erhole ich mich auf den Stufen vor dem Museumsplatz und sehe, dass auf der anderen Seite das Museum der Ehrenlegion steht. Das wäre auch interessant. Aber...wir müssen.
Wir marschieren die Strecke zwischen Museum und Notre Dame zurück. Nicht ohne noch schnell einen Abstecher zum Louvre gemacht zu haben, um wenigstens mal in die Pyramide zu schauen oder unvorschriftsmäßig den Platz de la Concorde überquert zu haben und die Reaktionsbereitschaft französischer Autofahrer zu testen. Dann durch die Tuileries. Die breiten Wege sind trocken und voller die Herbstsonne genießender Menschen. Die kleinen kugelförmig geschnittenen Bäumchen tragen eine dicke Staubschicht. Die ganze Zeit über schallt über die Seine hinweg eine Männerstimme über Lautsprecher. Vermutlich gibt es ein Polizeitreffen. Denn Hubschrauber knattern über die Stadt und auch eine Abteilung berittener Polizisten in Galauniform kommt vorbei.

Immer auf der Suche
Lebensfreude
Nachts
Notre Dame
Pariser
Einfach toll
Dann sind wir auf dem Platz vor Notre Dame. Diese gotische Kirche ist genauso schön wie andere französische Kathedralen. Aber sie ist ein besonderer touristischer Anziehungspunkt, dank Victor Hugo. Sie soll sogar ziemlich vernachlässigt worden sein, wenn nicht Mitte des 19 Jh. dieser großartige Romancier die tragische Liebesgeschichte von dem Glöckner von Notre Dame Quasimodo (dessen Name zu einem Synonym für groteske Hässlichkeit geworden ist) und der schönen Zigeunerin Esmeralda geschrieben hätte. Um die Geschichte herum entwirft Hugo ein mittelalterliches Sittenbild, das er bei allen Grausamkeiten der Ereignisse romantisiert.
Der Tag wird beendet mit einem Abendessen, das aus Gerichten besteht, die man für typisch französisch hält: Zwiebelsuppe, Käse und Salat und zum Schluss Crepes. Ich kann mich allerdings des Verdachts nicht erwehren, dass die Zusammenstellung eher touristischen Bedürfnissen nachkommt.
Dann lädt uns unser Bus wieder auf, um uns ins Hotel zurückzufahren. Und der Wunsch wird laut, doch noch eine Runde zu drehen, um einen Blick auf die nächtlich erleuchtete Stadt zu werfen. Unsere Fahrer zeigen freundliches Entgegenkommen und kutschieren uns auch noch mal vor den Eiffelturm, der blau vor dem schwarzen Himmel emporragt. Aber dann verschlägt es mir die Sprache. Zur vollen Stunde verwandelt sich der berühmte Stahlbau in einen Weihnachtsbaum. Wie Wunderkerzen flirren weiße Lichter über ihn hinweg. Und ich denke: Für diesen Tag reicht es wirklich.

Auf Montmartre
Souvenir, Souvenir
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Geschafft
Meißen-Tourist in Paris
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