Wiedersehen 2009Die 6/80 der PH Leipzig traf sich nach 29 Jahren wieder im Imma-Lager Rosenthal.
Text: Rainer Schilling
Welche Zufälle auch dafür verantwortlich waren, dass wir 1980 eine kurze Anfahrtsbeschreibung von Leipzig bis Königsstein erhielten, um dort auf einen Bus nach Rosenthal zu warten, so trafen wir uns am Studienbeginn doch zuerst dort, inmitten von Wald und Steinkolossen, vorab in "Gruppen" aufgeteilt in einem früheren Kinderferienlager der WISMUT, die auch um Pirna und Rosenthal Uran zutage förderte, und das nicht zu knapp. Fotos aus dieser einen Septemberwoche 1980 haben wir keine, einige wenige aus 1982; fast jeder klaubt eher mühsam Begebenheiten aus diesen Tagen zusammen - es gleicht einem Mosaik, wo mehr Teile fehlen als bereits zugeordnet werden könnten. Jeder würde ein anderes Bild aus diesen Einzelteilen sich zurechtlegen, das weiss ich, aber das ist ja immer so. Eigenartig kommt mir meine Hilflosigkeit angesichts der Fragmente vor; würde ein "Lokaltermin" beim Zurückschauen behilflich sein?
Was wir erinnerten, waren ein oder zwei fest gebaute und verputzte Häuser, Zelte auf betonierten Fundamenten sowie ein paar Baracken, ein Volleyballfeld, eine gepflasterte Oase mit Bänken für Selbst- und Gruppengespräche, Spaziergänge durch Gegenden, in denen wohl jemand wahllos Sandsteinklumpen hat fallen und liegen lassen, eine Wanderung über Königsstein, Lilienstein und Rathen bis zur Bastei, daneben bruchstückhaft Ereignisse: Morgenappelle (meist mit Gesang), erste gemeinsame Veranstaltungen mit Lehrkräften oder Anleitern, Animationsübungen wie "Komm, wir fahren mit der Eisenbahn nach Budapest" am Tag und abendliche Disco, Vorsingen für Chor und Singegruppe, Kennen lernen des Kabaretts im Ganzen wie auch in Gestalt von "Schürzi" in persona, Entäußerungen über die Motivation, Lehrer zu werden (was habe ich damals nur gesagt?), gutes Essen und noch häufigeres Trinken. Klingt ja schon nach viel, dennoch bleibt bei mir mehr im Dunkeln. Einzelne Personen blitzen auf und verschwinden gleich wieder: Begeisterung und Unbefangenheit überwiegen, es gleicht einer (von mir nie erlebten) Kinderferienlager-Stimmung... Beginn einer andersartigen Unabhängigkeit vom bislang dominierenden Elternhaushalt, Aufbruch in unbekannte Landschaften, Startschuss für eine Fahrt auf eigenen Wegen wie Umwegen, einer der wirklich ersten Schritte zu demjenigen, dem man jeden Morgen in den Spiegel sieht.
Der harte Kern Im Imma-Lager Neue Freundschaften Friedel und Stoni Immer auf der Suche So lange ist es her. 
Wir haben uns jetzt alle wieder erkannt - eine sehr angenehme Erfahrung - und fügen wie nebenbei alten Erinnerungen neue Erlebnisse hinzu, durchstreifen das "Labyrinth" und das Bielatal, setzen mit der Fähre ans andere Elbufer über, um einen der vielen schönsten Orte hier zu erklimmen, die Schrammsteinaussicht.
Ja, leicht war der Weg auch 29 Jahre später nicht. Der Bernhardfelsen war noch leicht zu finden und zu erklimmen, aber das Labyrinth war was für "harte" Männer und Frauen, nein es ist eine Spielwiese für jung und alt. Nur aufpassen sollte man immer. Ganz ohne, war das Bergmasiv nicht.
Bernd voran Noch geht es langsam nach oben. Einer allein Gundolf im Rausch Alle zusammen 6/80 im Rausch Geschafft Auf dem Bernhardstein 
Oben angekommen, sind wir nicht nur von den vielen Stufen und der plötzlich wahrhaftigen Höhe ergriffen, sondern vor allem vom Ausblick und den so vielgestaltigen, fast greifbaren Felsformationen vor wie hinter uns. Unermüdlich treibt das Elbewasser, klettern Bergsteiger, fahren Züge, Schiffe, Autos und Radfahrer wie auf einer Eisenbahnplatte, grüne Flächen und graue Stapelberge erfreuen das Auge und lassen uns den Adrenalinschub genießen, etwas geschafft zu haben, das uns ein neues Mosaiksteinchen zu den verblassenden alten fügt.
Die Schrammsteine verlangen einem schon alles ab, aber wir schafften es alle recht tapfer. Oben hatten wir eine tolle Aussicht über das Gebirge und der Elbe.
Sehr gewagt Die Schrammsteine lassen sich nicht leicht erobern. Gemeinsam geht es besser. Die 6/80 bewährt sich Geschafft Michaela und Friedel auf dem Gipfel. Weiter geht es nicht. Auf den Schrammsteinen angekommen. 
Für heute ist das Spiel beendet, vorläufig zumindest, und ich denke auch über Gewinn und Verlust nach. Ich habe ein paar Illusionen verloren, Orte so wieder zu finden, wie ich sie gekannt und geschätzt habe, doch ich habe unendlich viel wieder gewonnen: Zuversicht in die eigene Kraft, viele wunderbare Gedanken und Geschichten von Mitreisenden wie Einheimischen, bewegende Ausblicke von oben wie auch aus der Froschperspektive auf eine die Phantasie immer wieder anregende Landschaft, die lebt und genossen werden möchte - und da sie nicht wirklich zu uns kommen kann, sollten wir uns wieder auf die Reise begeben... demnächst. Wann, und ob nach Crispendorf, Leipzig, Finsterwalde oder wohin auch immer - es wird zugleich eine Reise zu uns selbst bleiben, solange wir das wollen.
Auf der Suche In Rosenthal Gefunden Nicht mehr viel vorhanden Friedel Hier stand ich schon 1980. Gundolf Hier lief ich auch 1982. Auf wiedersehen Auf dem falschen Parkplatz Wegzeichen Auch in der Zukunft?
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